Fragen und Antworten zur Gewalteskalation in der Ostukraine

25. Jänner 2015, 16:18
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Dutzende Zivilisten in Mariupol getötet. Rebellen und ukrainische Regierung beschuldigen einander

Kiew - Die Gewalteskalation in der Ostukraine erschüttert die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts. Raketenangriffe auf ein Wohnviertel in der Hafenstadt Mariupol reißen am Samstag mindestens 30 Zivilisten in den Tod.

  • Wer könnte hinter dem Angriff in Mariupol stecken?

    Zwar geben sich die ukrainische Militärführung und die prorussischen Separatisten - wie so oft in diesem Konflikt mit mehr als 5.000 Toten - gegenseitig die Verantwortung. Doch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verweist ungewöhnlich deutlich auf eine mögliche Schuld der Aufständischen. Eine OSZE-Analyse von Einschlaglöchern der Raketen ergab, dass die Geschosse östlich von Mariupol abgefeuert wurden, wo die Separatisten das Sagen haben. Deren Anführer Alexander Sachartschenko sagte, er habe keinen Sturm auf Mariupol befohlen, sondern angeordnet, ukrainische Militärstellungen östlich der Hafenstadt anzugreifen.
  • Wie verläuft die Front in der Ostukraine?

    Zuletzt hatten beide Seiten von Geländegewinnen berichtet. Intensiv gekämpft wird um Vororte von Donezk sowie bei Debalzewo östlich der Großstadt. Den zerstörten Donezker Flughafen beherrschen die Separatisten nach eigener Darstellung zu großen Teilen. Der Airport bleibt aber umkämpft. In der Nähe von Mariupol verläuft die Front östlich der Stadt.
  • Wer hat welche Waffen in der Region stationiert?

    Beide Seiten verfügen hauptsächlich über Waffen sowjetischer Bauart. Sie stehen sich mit Panzern, Mehrfachraketenwerfern verschiedener Reichweiten, Mörsern und Haubitzen schweren Kalibers gegenüber. Die ukrainische Armee verfügt zudem über Hubschrauber und Flugzeuge. Die prowestliche Führung in Kiew lässt rund um die Uhr neue Waffen produzieren. Die Aufständischen sollen Nachschub über die offene Grenze zu Russland bekommen, was die Führung in Moskau dementiert.
  • Wem könnte eine Eskalation in der Ostukraine nützen?

    Die neue Gewaltwelle im Bürgerkriegsgebiet Donbass macht die jüngsten diplomatischen Friedensansätze zunichte. Erst am Mittwoch hatte ein Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs in Berlin Hoffnungen auf eine Entspannung genährt. Doch nur Stunden später floss in der Ostukraine wieder Blut.
    Russland wirft einer "Partei des Krieges" in Kiew vor, den Konflikt militärisch lösen zu wollen. Präsident Petro Poroschenko, der sich häufig in Militäruniform im Krisengebiet zeigt, hatte der Armee kürzlich neue Kriegstechnik übergeben. Zudem sollen bei einer Teilmobilmachung mehr als 100.000 Ukrainer bewaffnet werden.
  • Wie geht es nun weiter?

    Die prorussischen Separatisten haben eine Offensive begonnen und wollen den gesamten Donbass erobern. Eine Einnahme Mariupols, des größten Hafens in der Region, wäre ein strategischer Erfolg für die Aufständischen. Die ukrainische Führung hat ihre Gefechtsbereitschaft im Krisengebiet erklärt.
    Zugleich dringt Präsident Petro Poroschenko - ebenso wie Deutschland, die USA und die EU - auf eine Fortsetzung diplomatischer Verhandlungen. Kiew hätte gerne die USA am Tisch. Russland mahnt dagegen direkte Gespräche Kiews mit den Separatisten an und bekräftigt, an dem Konflikt nicht beteiligt zu sein.Die Spaltung der Weltgemeinschaft in der Ukraine-Krise zeigt sich im UNO-Sicherheitsrat: Eine Verurteilung der Gewalt durch das mächtigste UN-Gremium scheiterte. Russland und Großbritannien gaben sich gegenseitig die Schuld dafür. (APA, 25.1.2015)
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