SPD-Chef überraschend bei Diskussionsrunde mit Pegida-Anhängern

24. Jänner 2015, 11:10
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Deutscher Vizekanzler reiste als "Privatmann" nach Dresden - Zentralrat der Muslime warnt vor steigender Gewalt gegen Muslime

Dresden - Der Chef der deutschen Sozialdemokraten, Sigmar Gabriel, hat am Freitagabend völlig überraschend an einer Diskussionsveranstaltung mit Pegida-Anhängern in Dresden teilgenommen. Zu der Gesprächsrunde unter dem Titel "Wir müssen reden" hatte die sächsische Landeszentrale für politische Bildung eingeladen.

Gabriel sagte, er sei als Privatmann gekommen um zuzuhören. Nach der Veranstaltung, an der etwa 200 Bürger teilnahmen, diskutierte er etwa eine Stunde lang auch mit Anhängern der islamkritischen Pegida.

Zentralrat der Muslime warnt vor Gewalt

Der Zentralrat der Muslime warnt vor indes einer steigenden Gewalt gegen Muslime in Deutschland. Anschläge auf Moscheen gebe es hierzulande "fast im Wochentakt", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, dem Portal "Focus Online" am Samstag.

"Beleidigungen gegen Muslime, häufig Frauen mit Kopftuch, Vandalismus an Moscheen und Gewalt gegen Imame sind mittlerweile an der Tagesordnung." Vor allem Frauen mit Kopftuch würden immer häufiger auf der Straße angefeindet. Imame raten ihnen deshalb, lieber mit dem Auto statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und sich nicht provozieren zu lassen, ergänzte Mazyek.

Pegida sei mitverantwortlich

Für die wachsenden Anfeindungen macht der Zentralratsvorsitzende auch die islamkritische Bewegung Pegida verantwortlich. "Pegida führt dazu, dass die Hemmschwelle, Muslime zu diskriminieren und anzugreifen, bei vielen sinkt."

Mit der Präventionsarbeit, die in Moscheen gegen eine mögliche Radikalisierung vor allem Jugendlicher geleistet wird, sieht Mazyek die Gemeinden "überfordert". "Wir brauchen mehr Unterstützung aus der Gesellschaft und der Politik", sagte er. Die Imame müssten besser darin ausgebildet werden, wie man mit Radikalen umgehe und eine Radikalisierung frühzeitig erkenne. (APA/dpa)

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