Eingeschlagene Auslagen in Graz waren "Hörfehler" der Polizei

24. Jänner 2015, 09:00
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Nach Demo gegen Grazer Akademikerball gibt Exekutive Falschmeldungen über angebliche Randale zu

Graz - Nicht wenige wunderten sich nach der Demonstration gegen den Grazer Akademikerball, eine Veranstaltung der Grazer Burschenschaften im Congress am letzten Samstag, über Meldungen von eingeschlagenen Auslagen in der Innenstadt. Denn niemand hatte Glasscherben oder Ähnliches gesehen. Auf Nachfragen von Medien bei der Polizei, wo denn genau nach der Demo, an der rund 1000 Menschen friedlich teilgenommen hatten, Glas zu Bruch ging, hieß es noch am Sonntag: "In der Stubenberggasse."

Redakteure und Redakteurinnen des freien Grazer Senders Radio Helsinki gingen der Sache auf den Grund und befragten sämtliche Geschäftsleute der Innenstadtgasse, ob bei ihnen ein Fenster oder gar eine Auslage kaputtgegangen sei. Alle verneinten.

Mittlerweile steht fest: Es gab keine einzige eingeschlagene Auslage. Die Pressestelle der Polizei verwies den Standard am Freitag an den Einsatzleiter der Demo, Benno Kleinferchner vom Stadtpolizeikommando, der sofort zugab, dass es sich bei der Presseaussendung um eine Falschmeldung handelte.

Fraglicher Funkspruch

Ein Beamter hatte am Samstag per Funkspruch durchgegeben, dass in der Stubenberggasse bei einem Pelzmodengeschäft auf die "Scheiben eingeschlagen" werde. "Bei uns ist das als Scheiben eingeschlagen angekommen", erklärt der Polizeioberst, "ja, das war ein Hörfehler. Ich habe mich eh gewundert, weil ich weiß, dass die dort Sicherheitsglas haben. Ich habe dann einen Kollegen hingeschickt zum Nachschauen." Nachsatz: "Aber da war die Aussendung schon draußen."

Die Exekutive wurde daraufhin nicht nur in zahlreichen Medien zitiert - auch im Standard -, die Meldung sorgte auch für Empörung. Journalisten der Krone entwickelten sogar Gewaltfantasien und schrieben, ihnen "möchte der Taschenfeitl im Sack aufgehen" angesichts der Demonstranten. Überhaupt gehörten die von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch Machenden laut Krone mit Wasserwerfern weggespritzt.

Die Frage, ob er angesichts solcher Reaktionen nicht an eine Korrekturaussendung gedacht habe, beantwortet Kleinferchner mit: "Ich war da nicht mehr im Dienst, wir hatten vorher 24 Stunden Dienst. Und so stark sind mir die Berichte gar nicht vorgekommen."

Auch die vier - laut Polizei - brennenden Mülleimer reduzierten sich mittlerweile auf drei. Und diese hätten nur kurz gebrannt.

Kleinferchner bestätigt auch, dass der Demozug selbst "ohne Probleme" verlaufen sei. Auch bei den Sitzblockaden in der Nähe des Congresses nach der Demo wurde "kein Beamter attackiert oder verletzt". Ein Ballgast sei aber beim Gerangel um sein Kapperl leicht verletzt worden. Auch zwei anderen Burschenschaftern wurden ihre "Deckel" geraubt. Die Täter wurden angezeigt.

(Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 24.1.2015)

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