Ob Hoffnung der EZB aufgeht, ist fraglich

23. Jänner 2015, 17:00
78 Postings

Für die Politik von EZB-Chef Mario Draghi gibt es Lob und Tadel. Die Renditen für Staatsanleihen und der Euro stürzen ab

Wien - Am Tag nachdem die EZB ihre Geldschleusen weit geöffnet hat, gehen die Meinungen über diesen Schritt weit auseinander. "Ich habe diesen Beschluss ganz offen gesagt nicht mitgetragen, weil ich glaube, dass er zu früh gekommen ist", sagt EZB-Ratsmitglied, Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny im Ö1-Morgenjournal. Seiner Meinung nach hätte man abwarten sollen, wie sich die bisher von der EZB gesetzten Maßnahmen auswirken.

Laut Berichten in den sozialen Medien haben neben Nowotny auch die Notenbankchefs von Estland und den Niederlanden, Ardo Hansson und Klaas Knot, den EZB-Beschluss für das 1,14 Billionen Euro schwere Anleihenkaufprogramm nicht mitgetragen. Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger und Bundesbankpräsident Jens Weidmann sollen überhaupt dagegen gestimmt haben.

Währungskrieg

Die deutschen Exporteure werfen der EZB vor, mit ihrem Anleihekaufprogramm einen Währungskrieg zu provozieren und den Zusammenhalt in Europa zu gefährden. "Was EZB-Präsident Mario Draghi macht, ist in meinen Augen brandgefährlich", sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

"Vom globalen Ausblick her bräuchte man die Maßnahme jedenfalls nicht", sagt Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement Renten bei der Union Investment. Der sinkende Ölpreis sei ein automatisches Konjunkturprogramm und bringe dem BIP der Eurozone rund 0,5 Prozent bzw. 150 Milliarden Euro, die aus diesem Umstand in die Eurozone fließen. Hinzu komme der schwächere Euro, der für Konjunkturstimuli über den Export sorge. Zudem hofft Engels auf das von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigte Infrastrukturprogramm von 3,3 Mrd. Euro, "das ebenfalls Wachstum bringen wird", sagt Engels. Ob die Hoffnung der EZB aufgehe und Banken das Geld der Zentralbank in Form von Krediten weitergeben werden, müsse sich erst zeigen. Zudem stelle sich die Frage, "ob die Pferde, die man zur Tränke geführt hat, nun auch trinken", sagt Engels. Denn ob Kredite auch gebraucht und nachgefragt werden, müsse sich auch erst zeigen.

Die EZB-Aktion hat die Renditen auf Zehn-Jahres-Papiere am Freitag in zahlreichen Ländern der Währungsunion auf ein neues Rekordtief fallen lassen. Österreich verzeichnete mit 0,443 Prozent den für das Land billigsten Wert überhaupt. Deutschland fiel mit 0,388 Prozent auf ein historisches Tief. Auch die Talfahrt des Euro beschleunigt sich. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Freitag in der Spitze bis auf 1,115 Dollar ab und damit auf den niedrigsten Stand seit September 2003.

"Gewachsen zeigen"

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron lobte hingegen die Maßnahme als wichtig und mutig. "An uns ist es, uns dem gewachsen zu zeigen." EU-Währungskommissar Pierre Moscovici hat den Kauf von Staatsanleihen ebenfalls begrüßt. EZB-Chef Mario Draghi habe "im Interesse der Eurozone gehandelt", sagte er dem Handelsblatt.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi forderten trotz Geldflut verstärkte Reformen in den Euroländern. Angesichts der niedrigen Zinssätze sei es an der Zeit, weitere Reformen umzusetzen, sagte Merkel nach einem Treffen mit Renzi. (bpf, Reuters, DER STANDARD, 24.1.2015)

  • OeNB-Chef Ewald Nowotny kritisiert EZB-Entscheidung.
    foto: reuters / leonhard foeger

    OeNB-Chef Ewald Nowotny kritisiert EZB-Entscheidung.

Share if you care.