Rohöl nach Tod des saudischen Königs etwas teurer

23. Jänner 2015, 16:15
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Keine Strategieänderung bei Ölproduktion in Sicht

Riad/Wien - Der Tod des hochbetagten und schon lange schwerkranken saudischen Königs Abdullah kam nicht überraschend, auch für die Ölmärkte nicht. Dennoch schoss der Preis für Rohöl nach Verbreitung der Todesnachricht Freitagmorgen in der Spitze um knapp drei Prozent nach oben.

In Anbetracht des tiefen Falls der Ölpreise, die seit vorigem Sommer um gut 50 Prozent nachgegeben haben, lechzten Investoren nach Informationen, die auch nur entfernt preisunterstützend wirken könnten, meint man etwa bei AMP Capital, einer australischen Investmentgesellschaft. Am frühen Freitagnachmittag wurde die für Europa preisbestimmende Nordseesorte Brent bei 49,42 Dollar je Fass (159 Liter) gehandelt, 90 Cent höher als am Donnerstag. US-Leichtöl legte um 29 Cent auf 46,60 Dollar zu.

Herausgehobene Rolle

Dass man vom Tod eines Monarchen auf den internationalen Ölmärkten überhaupt Notiz nimmt, hat mit der besonderen Rolle von Saudi-Arabien im Öl-Business zu tun. In seinem Boden befinden sich rund 16 Prozent der weltweit bekannten Ölreserven. Im Vorjahr haben die Saudis nach Bloomberg-Berechnungen durchschnittlich 9,5 Millionen Barrel Öl am Tag gefördert und waren somit klar die Nummer eins in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Nur die USA (dank Schieferöls) und Russland kommen ebenfalls auf mehr als neun Millionen Fass pro Tag.

Der Nachfolger des verstorbenen Königs Abdullah, König Salman, hat am Freitag im saudischen Staatsfernsehen angekündigt, die Politik seines Vorgängers weiterzuführen. Die innerhalb der Opec umstrittene Politik offener Ölhähne dürfte damit fortgesetzt werden. Für Saudi-Arabien scheint die Verteidigung von Marktanteilen weiter oberste Priorität zu haben. Anders als in den 1980er-Jahren, als die Saudis in einer Niedrigpreisphase die eigene Produktion kürzten und Marktanteile verloren, die sie nie wieder zurückgewinnen konnten, scheinen sie dazu nicht mehr bereit zu sein.

"Wenn ich die Förderung kürze, was geschieht dann mit meinem Marktanteil? Der Preis wird steigen, und Russen, Brasilianer und US-Schieferölproduzenten werden meine Anteile kapern", gab sich Saudi-Arabiens Ölminister Al-Naimi im Gespräch mit dem Middle East Economic Survey selbst die Antwort.

Prinz als Ölminister gehandelt

Dem Vernehmen nach hat Saudi-Arabien als eines der wenigen Länder genug Geld gebunkert, um drei Jahre ohne Einnahmen aus dem Ölverkauf auszukommen. Von 110 Dollar je Fass ist der Rohölpreis infolge der schwachen Nachfrage und des Überangebots an Öl auf unter 50 Dollar gefallen.

Al-Naimi, der seit 1995 Ölminister ist und heuer 80 wird, hat wiederholt angekündigt, kürzertreten zu wollen. Als Nachfolger wird der 1960 geborene Prinz Abdulaziz gehandelt, der vierte Sohn des nunmehrigen Königs Salman. Es wäre das erste Mal, dass ein Familienangehöriger des Herrscherhauses Ölminister wird.

Prinz Abdulaziz hat Erfahrung: Er ist Stellvertreter von Al-Naimi und hat wiederholt an Opec-Konferenzen teilgenommen. (stro, DER STANDARD, 24.1.2015)

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