Elf Visionen der User zur Zukunft der Medien

25. Jänner 2015, 21:01
24 Postings

Wie stellen Sie sich den Medienalltag in 20 Jahren vor? Zu dieser Frage im Vorfeld des 20. Geburtstags gab es viel Feedback und interessante Überlegungen. Wir haben elf Visionen ausgewählt

1. User "hectic"

In 20 Jahren?

Ich steh in der Früh auf, dreh mein Tablet auf, surfe den STANDARD an und trolle dort sämtliche Artikel, bis ich dann zur Arbeit muss. Da ist mir egal, ob die Kommentare per Spracheingabe, Gedanken oder Keyboard eingegeben werden. Hauptsache, ich kann im STANDARD trollen! :-)

2. User "magnetfeldabschirmer"

Möglicherweise wird aufgrund des massiven Überwachungswahnsinns unserer gewählten Volksvertreter ein zweites, autarkes Internet auferstehen. Die Kommunikation der Rechner untereinander könnte drahtlos mit höchster Verschlüsselung erfolgen. Die Fortschritte der drahtlosen Übertragungstechnik lassen solche Möglichkeiten erahnen. Natürlich wird die Staatsgewalt nichts unversucht lassen, diesem Treiben ein Ende zu bereiten, aber der Einsatz von extrem breitbandiger Spread-Spectrum-Modulation könnte das vereiteln. Die Benutzung der von uns allen bezahlten Lichtwellenleiternetze wird leider, ohne überwacht zu werden, nicht möglich sein. Vielleicht kommt es auch zu einem Aufstand, wenn der Wahlpöbel die Überwachung satt hat.

3. User "Gott (der einzig wahre)"

Die Wahrheit wird wohl eher so sein, dass die Teilnahme am offiziellen Internet nur noch dem gläsernen Menschen möglich sein wird, während bereits das Ansurfen des dunklen Internets - des Undernets - mit Haftstrafen geahndet wird. Demzufolge weiß jeder Anbieter alles über die Teilnehmer, und alle Inhalte werden gnadenlos personalisiert. 99 Prozent allen Traffics stellt Werbemüll dar, und die echten Informationen werden darin völlig untergehen. Ich persönlich werde mich dann bereits ausgeklinkt haben und einfach die bis dahin gesammelten Medien konsumieren. Das reicht locker für 1.000 oder 2.000 Jahre. Mir wird also nicht langweilig werden.

4. User "Kenny Powers"

Ich gehe davon aus, dass wir zwischen Unmengen an Werbung ab und zu noch Information finden werden. in Medien, Spielen, Filmen und dem Rest von "Unterhaltung". Weiters werden in 20 Jahren wohl auch Nachrichten nach unserem Surfverhalten ausgewählt und prioritär sortiert. Der Mythos der Anonymität im Netz wird gänzlich gefallen sein. Kurzum: Das Netz wird fad werden, so wie TV heute. Alles schon gesehen. Auf die Art fällt vielleicht uns auch was Neues ein.

5. User "don't follow me"

Mit der neuen Forensoftware gibt es endlich die langersehnte Watsch-Funktion, mit der man Trollen via Roboterhand eine runterhauen kann.

6. User "Wattestorm"

20 Jahre können viel verändern, aber nicht alles. Ich hatte vor 20 Jahren mein erstes Handy und nutze mein aktuelles Smartphone ähnlich, abgesehen von Google, Kamera und SMS. Nachrichtentechnisch wird User Generated Content viel mehr verbreitet sein. Vorbote ist die "Huffington Post". Bloggen wird viel selbstverständlicher sein, und große Medien dienen mehr als Informationsbahnhöfe. Dieses Forum hier wird hoffentlich mit Grafik und Algorithmen so flüssig sein, dass ich genau an die Informationen komme, die ich brauche. Bislang ist mehr ein Zufall, wenn ich etwas finde. Ich möchte wie durch Räume gehen können und genau die Lade aufmachen können, wo etwas für mich drin ist. Momentan ist es so, dass ich ab Seite 4 schon nichts mehr lese.

7. User "georgscholz"

In 20 Jahren gibt's perfektes elektronisches Papier: rollbar, faltbar, 600 dpi, 48 Bit Farbraum, 120 Hz Videowiedergabe, solarbetrieben beziehungsweise vier Wochen Akkulaufzeit. Bedienung über Gedanken, wobei die Gehirnströme kontaktlos ausgelesen werden. Aber in 20 Jahren wird vor allem die Zeit der Roboter sein. Automatische Autos sind Alltag. Drohnen überall. Statt Hunden haben wir immer einen kleinen Asimo bei uns, der von Einkauf bis Haushalt und Reparaturen alles erledigt und und notfalls uns auch verteidigt. Viele Menschen haben dann allerdings nichts mehr zu tun, sind wegrationalisiert. All das wird eine schöne Herausforderung.

8. User "pman"

In 20 Jahren besteht unser Medienkonsum in erster Linie darin, dass Daten über uns gesammelt werden. Wir werden immer stärker durchleuchtet, und das alles kommt relativ cool daher, siehe zum Beispiel Ingress et cetera. Am Anfang ist alles cool und spannend, und am Ende sind wir der gläserne Mensch. Ich mache da so weit wie möglich nicht mit.

9. User "b_UT"

Die automatischen Translater werden so ausgereift sein, dass Text und Sprache aus jedem Source in jedes Target vollautomatisch transferiert werden können. Das führt zu einer Revolution in der Wirtschaftswelt, da bei Telefon und Text-Videochat eine Realtime-Synchronübersetzung vollautomatisch stattfindet. Sie können einen chinesischen Lieferanten anrufen, und er wird verständliches Deutsch mit Ihnen sprechen, ohne dass er ein Wort Deutsch kann. Für die Medienwelt heißt das, dass permanent und in Echtzeit auf dem ganzen Globus News gescannt und übersetzt werden. Lokale Nachrichten werden dadurch an Bedeutung verlieren. Ein Überfall in Südafrika ist dann genauso stark präsent wie eine Audimax-Besetzung in Wien.

10. User "alexanderletten"

Schon mal irgendwer über personifizierte Nachrichten nachgedacht? "Redaktionen" stellen Angebote nach Surfverhalten zusammen. Hört sich völlig bescheuert an, ist es natürlich auch, aber Grenzen sehe ich schon längst keine mehr. Vor allem könnten "Medienhäuser" diese Form des Infohandels als Kompromiss an den User auf die grundsätzlich kostenpflichtigen Angebote verkaufen. Print wird ein Nischensegment sein, das sich nur mehr wenige leisten können. Möglicherweise ändert sich auch die Definition von Berichterstattung/Nachricht. Was heute als Verblödung durchging, ist in 20 Jahren topaktuell.

11. User "fhaselbein"

Das derzeit größte Bottleneck ist die Mensch-Maschine-Kommunikation. Und zwar sowohl bei reinem Input/Output als auch bei der Bedienbarkeit. Bei Input/Output ist die Steuerung durch Gesten und Sprache schon ganz gut fortgeschritten – hier wird sich noch einiges tun. Auch bei der kontextsensitiven Steuerung und der Anpassung an den Benutzer bis hin zu KI sind viele Fortschritte gemacht worden – hoffentlich werden auch hier handfeste Ergebnisse in den nächsten 20 Jahren sichtbar sein. Die gedankengesteuerte I/O (wie hier im Forum bereits erwähnt) steckt noch in den Kinderschuhen. Da wird vermutlich nichts Aufregendes passieren in den nächsten 20 Jahren. Alles meine ganz persönlichen Vermutungen :-)

Posten auch Sie Ihre fantastischen Visionen zur möglichen Medienzukunft! (mahr, derStandard.at, 25.1.2015)

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