Frankenkredite: Anwälte bereiten Klagen vor

23. Jänner 2015, 16:12
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"Stop-Loss" laut Gutachten als Absicherungsinstrument ungeeignet - Probleme bei "Frankenkonzept" des Wiener Vermögensverwalters Censeo

Wien - Die Freigabe des Franken-Wechselkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) könnte österreichischen Anlegeranwälten ein gutes Geschäft bescheren. Für Franken-Kreditnehmer hat sich ihre Schuld dadurch auf einen Schlag massiv erhöht. Klagen gegen Banken stehen im Raum. Besonders in Kritik stehen sogenannte Stop-Loss-Order, die die Anleger vor einem Kurssturz schützen sollten.

Genau das Gegenteil ist aber der Fall gewesen: Etliche Verträge von Kreditnehmern wurden jetzt zu einem für sie sehr ungünstigen Kurs in Euro umgestellt. Dadurch wurden große Verluste realisiert, oft im fünfstelligen Euro-Bereich.

Das Prinzip der Stop-Loss-Aufträge: Verändert sich der Kurs einer Fremdwährung über eine vereinbarte Grenze hinaus, wird der Kredit automatisch in den Euro konvertiert. Damit sollten weitere Verluste vermieden werden.

Konvertierung mißglückt

Im Falle der Franken-Kredite, die ja vor allem in Westösterreich in großem Stil an Häuslbauer vergeben wurden, haben viele Verbraucher eine Konvertierung bei knapp unter 1,20 in Auftrag gegeben. Das war der Mindestkurs, von dem die SNB vergangene Woche abgelassen hat. In der Folge ist der Euro binnen kurzer Zeit auf unter 1 Franken abgesackt.

Tatsächlich wurden die Order aber zu weit tieferen Kursen ausgeführt - oft sogar unter 1,00. Der Verlust hat sich dadurch deutlich erhöht.

Die Stop-Loss-Order haben ihre Funktion daher nicht erfüllt, meint der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Betroffene haben nach Ansicht der Verbraucherschützer möglicherweise Ansprüche gegen ihre Bank. Dieser Ansicht ist auch der oberösterreichische Anlegeranwalt Michael Poduschka, bei dem sich 60 Franken-Kreditnehmer gemeldet haben. "Stop-Loss-Aufträge waren zur Absicherung völlig ungeeignet", sagte Poduschka am Freitag zur APA. "Gerade die Sicherheitsorientierten hat es jetzt voll erwischt."

"Illiquider Markt"

Poduschka hat sich dazu bereits ein Gutachten von einem berichtlichen beeideten Sachverständigen, Manfred Lappe, erstellen lassen. Der Expertise zufolge hätten Banken niemals Stop-Loss-Order vereinbaren dürfen. Schon 2010 sei bekannt gewesen, dass solche Konvertierungsaufträge negativ auf Kreditnehmer ausgewirkt hätten. "Das ist ein völlig illiquider Markt, weil jeder nur in eine Richtung wollte", so Poduschka.

Der Anwalt rechnet sich daher gute Chancen für Klagen gegen Banken aus. Dies, ohne auf die konkreten Beratungsgespräche eingehen zu müssen, also darüber zu streiten, ob die Kunden prinzipiell darüber aufgeklärt wurden, dass sich der Kurs verändern kann. "Die Stop-Loss-Sache könnte relativ rasch klagsreif werden - wenn es keine außergerichtliche Lösung gibt, wovon ich aber ausgehe", so Poduschka. Seine Argumentation: Die meisten Kunden hätten bei 1,20 gewechselt, wenn sie gewusst hätten, dass eine Absicherung nach unten nicht funktioniert.

Dem Vernehmen nach haben ein paar Banken ihren Kunden schon angeboten, den Stop-Loss-Auftrag rückgängig zu machen, also den Kredit wieder in den Franken zurückzuwechseln.

Neue Turbulenzen

Ins Schwitzen geraten sind indes auch Kunden des Wiener Vermögensverwalter Censeo, der Devisenanlagekonten von 140 Fremdwährungskreditnehmern betreut. Es geht um rund 30 Mio. Euro an offenen Franken-Krediten. Unter dem Namen "Frankenkonzept" verkaufte Censeo-Chef und -Eigentümer Gerhard Massenbauer - sein Vater Johann Massenbauer gilt als Entdecker der Fremdwährungskredite für Privathaushalte - ein Instrument gegen die Absicherung von Kursrisiken bei Fremdwährungskrediten. Das Versprechen: Bei einem Franken-Anstieg wird bei der dänischen Saxobank die Schweizer Währung angekauft, um Verluste auszugleichen.

Nach den jüngsten Marktturbulenzen jedoch ist es kaum mehr möglich, Franken zu bekommen. "Wir haben unsere Kunden in einer ersten Reaktion darauf hingewiesen, dass wir nicht in der Lage sind, Franken in benötigtem Umfang zu kaufen", bestätigte Gerhard Massenbauer der APA. Es handle sich dabei aber um keine Nachschussverpflichtung gegenüber der Saxobank, betonte er.

Am Donnerstag kam dann die nächste Hiobsbotschaft für die Censeo-Kunden: In einem Schreiben ist von "nachträglichen Abänderungen" von Ausführungspreisen die Rede, die Saxobank habe "Gegenbuchungen durchgeführt und die gutgeschriebenen Gewinne entzogen". Censeo prüft das ganze und ruft die Franken-Kreditnehmer auf, in eine andere Währung oder in den Euro zu wechseln. "Saxobank hat vor drei Tagen ... mitgeteilt, dass sie die Sicherheiten für Devisenhandel massiv erhöht. Im Franken auf 20 Prozent der ursprünglich zu kaufenden Summe. Diese Menge an Geld ist heute nicht annähernd am Konto verfügbar", warnt Censeo. Massenbauer wies darauf hin, seine Franken-Kunden bereits im Herbst dazu angehalten zu haben, in den japanischen Yen zu wechseln. (APA, derStandard.at, 23.1.2015)

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