Wenn Satire alles darf

24. Jänner 2015, 08:15
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Über die Wertschätzung des Gesinnungswandels bei uns in Österreich ließe sich vieles sagen, nicht zuletzt, wie fließend die Grenzen oft sind.

Unter dem Titel "Die Begierde der Caritas" war vorige Woche an dieser Stelle von einem freiheitlichen Satiriker zu lesen, der in dem freiheitlichen Wochenblatt "Zur Zeit" der obengenannten Organisation mit dem Vorwurf satirisch beizukommen suchte, sie hätte früher Geld gesammelt, damit den Murln der wahre Glaube nähergebracht wird, während sie nun etwas für Sandhasen und Rumbutten, also Obdachlose, tue, die an ihrer Lage selber schuld sind.

Der Satiriker fand diese Verbreitung seiner Ideen über die Grenzen der freiheitlichen Glaubensgemeinschaft hinaus durchaus amüsant, fühlte sich aber menschlich verkannt. Die Crux an der Sache wäre, so teilte er schriftlich mit: Ich bin keineswegs ein Freiheitlicher, sondern ein in der Wolle gefärbter Christdemokrat. An einem solchen Experimentum Crucis zu scheitern war naheliegend, hätte man anhand seines Textes doch eher eine Richtigstellung in folgendem Sinn erwartet: Ich bin keineswegs ein Satiriker, sondern ein in der Wolle gefärbter Freiheitlicher.

Besagtes Experiment, dessen Ausgang laut Duden eine endgültige Entscheidung über mehrere Möglichkeiten herbeiführt, wurde von ihm mit der Aufforderung zu einer Gegendarstellung nach Paragraf 9 des Mediengesetzes fortgesetzt, mit der Begründung: Wenn Sie mich daher einen Freiheitlichen nennen, wäre es für mein persönliches Umfeld ein Zeichen dafür, das ich einen Gesinnungswandel vollzogen hätte, der bei uns in Österreich eher nicht geschätzt wird.

Über die Wertschätzung des Gesinnungswandels bei uns in Österreich ließe sich vieles sagen, nicht zuletzt, wie fließend die Grenzen oft sind, vor allem im wertkonservativen Schattenreich freiheitlicher Publizistik, dem sich gelegentlich ein in der Wolle gefärbter Christdemokrat beigesellt, weil er dort - begreiflicherweise - willkommen ist. Niemand gräbt, wenn es um Überfremdung geht, tiefer nach seinen christlichen Wurzeln als H.-C. Strache, und niemand als er feiert sich heißblütiger als Ikone der wahren Demokratie, ohne auch nur das kleinste Problem damit zu haben, sich gleichzeitig als Freiheitlicher zu entlarven. Manche Leute bringen das spielend unter einen Hut, die haben vermutlich ein anderes persönliches Umfeld.

Würde Strache an dieser Stelle als Christ oder gar Demokrat bezeichnet werden - selbst diese Provokation würde ihn nicht zu § 9 Mediengesetz flüchten lassen, um seinen Ruf als Freiheitlicher zu retten. In diesem Falle liegt es anders, weshalb dem Begehren folgender

Gegendarstellung

Raum gegeben sei:

"MMag. Erich Körner-Lakatos, der im Beitrag "Die Begierde der Caritas" (17./18. 1.) als "freiheitlicher Satiriker" bezeichnet worden ist, legt Wert auf die Feststellung, dass er keineswegs ein Freiheitlicher, sondern vielmehr ein Christdemokrat ist."

In der Gegendarstellung ist bedauerlicherweise die nähere Definition des Christdemokraten - in der Wolle gefärbt - weggefallen, was dem Text einen erheblichen Teil seines Reizes raubt. Aber Hauptsache, sein persönliches Umfeld muss sich nicht mehr vor einem Freiheitlichen schrecken.

Keine Satire, sondern österreichische Realsatire war der Auftritt Armin Assingers auf dem Boulevard anlässlich seines Auftretens als Autor eines Buches mit dem Titel "Bergab und doch bergauf". Reihenweise arbeiteten sich Interviewerinnen am Millionenshowmaster von der Streif ab, in der "Krone" sogar unter dem frivolen Titel Sind Sie klüger geworden, Herr Assinger? Die Antwort klang ehrlich. 1500 Kandidaten waren bei mir bisher, im Schnitt bekommt jeder zehn Fragen. Macht 15.000 Fragen, die ich vorgelesen habe. Und 60.000 Antwortmöglichkeiten! Und da soll ich mir was merken, was mich eh nicht so brennend interessiert? Das geht gar nicht.

Ein Autor, der seine Grenzen kennt. Jede Zeile selbst geschrieben! Manchmal ging es mir leicht von der Hand, manchmal musste ich warten, bis mich die Muse küsste. Dennoch kein Musenalmanach! Es ist jetzt nicht weiß Gott wie wissenschaftlich, es zeigt vielmehr meinen ganz persönlichen Blickwinkel auf das Leben und auf den Mythos Kitzbühel. Wenn jemand sagen will: "Ja Assinger! Was du für einen Blödsinn von dir gibst!", dann würde ich ihm entgegnen: "Mag sein, wissenschaftlich vielleicht, aber bist du die Streif hinuntergefahren oder ich?"

Da müsste sogar ein Einstein passen. Und wenn es im übertragenen Sinn in den Oberschenkeln brennt, erfährt der "Kurier": "Hört endlich auf zu jammern!" (GÜNTER TRAXLER, DER STANDARD, 24.1.2015)

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