Pum: "Es sind Fehler gemacht worden"

Interview23. Jänner 2015, 19:25
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Hans Pum macht sich wegen der WM in Vail / Beaver Creek keine größeren Sorgen. Der Sportdirektor des österreichischen Skiverbandes (ÖSV) ortet einen Aufschwung

Standard: Kitzbühel ist, die WM naht. Ihr Erwartungen?

Pum: Die Formkurve passt. Wir haben vielleicht aktuell keine so starke Truppe, aber ich bin überzeugt, dass wir in einzelnen Disziplinen sehr stark aufgestellt sind. Ich bin sicher, dass wir gut abschneiden werden.

Standard: Zuletzt mehrte sich Kritik, dass es vor allem im Slalom nicht gerade rosig ausschaut, vor allem dann, wenn Marcel Hirscher ausfällt.

Pum: Leider hat Mario Matt heuer nicht ins Ziel gebracht, was er kann. Benni Raich ist nicht so stark gefahren wie im Riesenslalom. Sonst hätte es anders ausgeschaut. Aber wir sind uns dieser Situation bewusst. Das ist ja nicht erst seit heuer ein Problem. Wir arbeiten das aber schon seit Längerem auf. Ich bin überzeugt, dass wir die Talsohle bereits durchschritten haben, es schon wieder aufwärts geht.

Standard: Was gibt Anlass zur Hoffnung?

Pum: Wenn wir uns anschauen, wie die jungen Burschen fahren. Ein Michael Matt fährt im zweiten Durchgang des Wengen-Slaloms Laufbestzeit, wenn er die Chance hat, mit einer besseren Startnummer ins Rennen zu gehen. Oder denken wir an die große Hoffnung Marco Schwarz. Wir haben einige, die stark fahren können, aber wir haben nicht mehr so viele, die ganz vorne mitfahren können. Aber wir tun alles, damit wir wieder dort hin kommen.

Standard: Wurde dem Nachwuchs zu selten eine Chance gegeben?

Pum: Es spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle. Ein Grund ist, dass viele auf die Speedseite tendiert haben, weil sie dann schneller im Weltcup dabei sind. Aber es braucht ein gutes technisches Fundament, wenn man vorne mitfahren will. Manche haben es leider verabsäumt, entsprechend Riesenslalom zu trainieren. Im Slalom mischen viele vorne mit, weil es in vielen Ländern geeignete Hangerln gibt, auf denen sie trainieren können. Außerdem können sie überall hinfahren um zu üben. Die Leistungsdichte ist sehr groß. Das macht die Disziplin aber auch so interessant.

Standard: Was gilt es für die Jungen außerdem zu beachten?

Pum: Wichtig ist, dass sie Punkte sammeln, um gute Startnummern zu bekommen. Dann können sie zeigen, was sie drauf haben. Wichtig sind auch eine spezielle Vorbereitung und Training für die jeweiligen Rennen. Ich bin schon so lange dabei und es hat immer wieder Höhen und Tiefen gegeben. Wir haben es immer wieder geschafft und werden es auch dieses Mal schaffen.

Standard: Gab es gewisse Versäumnisse von Seiten des ÖSV, oder muss man sich nichts vorwerfen?

Pum: Es sind Fehler gemacht worden, da brauchen wir keine Ausreden suchen. Aber wir arbeiten daran, alle hängen sich rein. Auch Red Bull war in der Formel 1 über Jahre an der Spitze und plötzlich wurde es schwierig. Man kann das nicht von heute auf morgen schaffen, das funktioniert nicht per Knopfdruck. Wir gewinnen seit 25 Jahren in Folge den Nationencup. Wir sind sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren gut aufgestellt. Wir haben eine junge, starke Speedtruppe, die uns noch sehr viel Freude bereiten wird.

Standard: Der Weg zum Siegfahrer ist steinig. Fehlt es manchmal an Geduld?

Pum: Sicher. Nehmen wir Kjetil Jansrud her. Er ist schon viele Jahre dabei und erst seit dem letzten Jahr so stark. Auch bei den Schweizern gibt es ein sehr interessantes Phänomen zu beobachten. Didier Cuche ist weg und auf einmal ist eine Gruppe da, die um die Position des Leitwolfs kämpft.

Standard: Worin besteht die Herausforderung im Speedbereich, wenn es darum geht, an die Spitze zu kommen?

Pum: Man darf nicht übermütig werden. Viele sind schon bestraft worden. Der Grat zwischen Mut und Übermut ist ein schmaler. Man darf auch nicht vergessen, dass es immer wieder Verletzungen gibt. Danach brauchst du Zeit, dich zu fangen, um wieder auf das Niveau zu kommen, wo du schon warst. Und dann musst du dich auch noch weiterentwickeln, weil die anderen, die von Verletzungen verschont geblieben sind, schon wieder einen Schritt voraus sind.

Standard: Für den Skisport ist es ja durchaus positiv, wenn auch andere Länder Siege feiern dürfen.

Pum: Das interessiert uns aber nicht. Als wir einen Maier, einen Eberharter, einen Strobl hatten, haben die Medien auf uns draufgehauen, weil wir alles gewonnen haben. Aber der Tourismus und die Wirtschaft waren froh. Wir wollen Österreich gut vertreten, wollen gewinnen.

Standard: Hat man anderen Verbänden mit österreichischem Know-how zu sehr auf die Beine geholfen?

Pum: Es ging natürlich schon viel Know-how raus, wenn Trainer rausgekauft wurden. Aber es ist ein gutes Zeichen für unseren Sport. Die Wirtschaft wird belebt und es kommt Geld in den Rennsport. Es spielen viele Österreicher international eine Rolle, das ist erfreulich. Wir können ja nicht alle anstellen. So funktioniert das in diesem Geschäft.

Standard: Könnten sich Nachwuchsfahrer vielleicht noch mehr von Marcel Hirscher abschauen?

Pum: Er ist ein Vorbild, keine Frage. Er hat noch nie so viel mit der Mannschaft trainiert wie heuer. Aber man kann nicht immer Junge dazugeben. Man muss auch sehen, auf welchem Level da trainiert wird. Es muss ja auch von den Pistenverhältnissen für die Jungen passen. Von Hirscher kann sich jeder etwas abschauen. Er ist irrsinnig stark, ein exzellenter Skifahrer, mental stark, er lebt den Sport 24 Stunden, er beschäftigt sich viel mit dem Material und er tritt gut in der Öffentlichkeit auf. Es gibt viele gute Skifahrer, aber nur ein paar setzen sich ab. Da muss alles passen.

Standard: Ist es ein Zeichen der Zeit, dass manche nicht so ehrgeizig sind, oder schneller zufrieden sind?

Pum: Nein. Diejenigen, die fahren, wollen schon, aber die Ablenkungen sind natürlich sehr groß. Das ist durch die Bank schwierig.

Standard: Bekommen alle optimale Unterstützung?

Pum: Die kriegen sie, aber sie haben es selbst in der Hand, ob sie die Möglichkeiten nützen, die wir ihnen bieten. Keinem kann geholfen werden, wenn er aus dem Starthaus rausfährt. Da muss dann jeder selbst sein Bestes geben. (Thomas Hirner, DER STANDARD, 24./25.01.2015)

HANS PUM (60) ist seit 1977 für den ÖSV tätig. Der Oberösterreicher war ab 1996 alpiner Sportdirektor, seit Sommer 2010 koordiniert er sämtliche ÖSV-Sparten.

  • Pum: "Die Leistungsdichte ist sehr groß."
    foto: apa/parigger

    Pum: "Die Leistungsdichte ist sehr groß."

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