Trockene Zeiten für die Schutzhülle des Körpers

24. Jänner 2015, 15:00
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Kalte Luft und geheizte Räume setzen der Haut zu und führen zu Problemen - ein Blick auf Ekzeme oder Juckflechte

Hautprobleme haben mitunter höchst komplizierte Namen: asteatotisches Ekzem oder seberrhoisches Dermatitis zum Beispiel. Es sind Probleme, die dem größten Organ des Menschen im Winter immer wieder zu schaffen machen. Also jetzt. Ihre Namen klingen nicht schön, und sie sehen auch nicht schön aus. Es sind trockene Hautstellen, die jucken und sich röten. Gesicht und Hände sind besonders betroffen. Wer kratzt, riskiert, dass sich auf den Krusten Bakterien ansiedeln.

Überraschende Entzündungen

"Entzündungen der Haut treten plötzlich und für die Patienten immer überraschend auf", sagt die Wiener Hautärztin Alice Pinc. Besonders verwundert seien all jene, die bis zu diesem Zeitpunkt dachten, ihre Haut sei robust. Ein asteatotisches Ekzem, das sich als Folge einer zu trockenen Haut entwickelt, sei aber auch eine Altersfrage und eine Erkrankung, die Menschen bis zum 40. Lebensjahr eigentlich nicht kennen. "Trockene Haut ist auch hormonell bedingt", sagt Pinc. Für Ekzeme gebe es eine ganze Reihe von Ursachen.

Die Bezeichnung Ekzem kommt vom griechischen Wort für "Aufwallung" und ist der dermatologische Fachbegriff für Juckflechte. Eine der am meisten verbreiteten Formen ist das sogenannte Hausfrauenekzem. Durch den häufigen Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln wird die Schutzhülle der Haut angegriffen.

Die Haut, die als Barriere des Körpers zur Außenwelt fungiert, wird durchlässig. Konkret werden die dachziegelförmig geschichteten Hautstrukturen aufgebrochen, Feuchtigkeit geht verloren, und Keime können eindringen. Was zuerst schuppig aussieht, rötet sich in der Folge.

Hautcremes mitunter kontraproduktiv

Das fehlende Fett von außen in Form von Cremen zuzuführen ist eine Form, trockener Haut entgegenzuwirken. Doch Pinc warnt: "Wenn die Hautbarriere angegriffen ist, können auch die Inhaltsstoffe von Cremen zum Problem werden", sagt sie und nennt Emulgatoren, also jene Inhaltsstoffe, die die Öl-Wasser-Verbindungen in Cremen stabil halten.

Zusätzlich zu Ekzemen kann es dann auch zum Auftreten von sogenannten Kontaktsensibilisierungen kommen. Pinc empfiehlt emulgatorfreie Produkte aus medizinischen Pflegelinien wie etwa Physiogel, die ihre Wirkung in Studien an Neurodermitikern bewiesen haben. Statt Emulgatoren werden Öl und Wasser in speziellen Pressverfahren miteinander vermischt, beim Auftragen wird damit die Feuchtigkeit besser gespeichert.

Risse und Schuppen

Davon profitieren Patienten mit Atopie, so der Fachbegriff für Überempfindlichkeiten. "Es gibt eine einfache Methode, diese Neigung herauszufinden: eine Creme vier Tage lang an der Innenseite des Unterschenkels auftragen. Wenn keine Rötungen auftreten, bedeutet das: Entwarnung", sagt der Wiener Dermatologe Markus Dawid, Leiter der Hautambulanz am SMZ Süd in Wien.

Auch er ist im Winter oft mit Patienten konfrontiert, die unter trockener Haut leiden. Das hat zwei Gründe: Die körpereigene Talgproduktion wird bei Temperaturen unter sieben Grad Celsius automatisch gedrosselt, und "in überheizten Räumen wird der transepidermale Feuchtigkeitsaustausch, der im Sommer natürlicherweise existiert, gestört", so Dawid.

Auch die Kleidung (Strumpfhosen!) entzieht der Haut Fett. Es entstehen sogenannte Rhagaden, Hautrisse. Die Bezeichnung für trockene Haut ist in Frankreich lautmalerischer als der griechische Fachbegriff und wird als "eczema craquelé" bezeichnet. Doch dürfe das asteatotische Ekzem nicht mit einer seberrhoischen Dermatitis verwechselt werden, bei der sich die Haut ebenfalls schuppt, "fetthaltige Cremen allerdings überhaupt keine Wirkung zeigen", so Hautarzt Markus Dawid.

Gedrosselte Talgproduktion

Betroffen sind vor allem Hautstellen wie Nasenflügel, Augenlider oder Ohren, aber auch Kopf und Brust, "die sebumreichen Areale der Haut" nennt sie Dawid, also Hautpartien, in denen sich viele Talgdrüsen befinden. Durch die gedrosselte Talgproduktion verschiebt sich die Keimflora der Haut, und ein Pilz namens Malassezia populosa siedelt sich in Kolonien an.

Das sieht schuppig und ein bisschen wie Schlangen- oder Eidechsenhaut aus. "Nicht Lipide, sondern Cremen mit Vitamin B zeigen eine gute Wirkung auf diese Hautstellen", sagt Dawid. Bei regelmäßigem Auftragen klingt Malassezia populosa damit wieder ab.

Allerdings: Schuppige Stellen auf Gesicht und Körper, die durch Malassezia entstehen, würden im Frühling wahrscheinlich auch von allein wieder verschwinden. Sie werden vom UV-Licht zerstört. So wie auch die asteatotischen Ekzeme besser werden, wenn die Temperaturen steigen und sich die Talgproduktion und Mikroflora der Haut wieder einpendeln. (Karin Pollack, DER STANDARD, 24./25.1.2015)

  • Fühlt sich nicht besonders gut an: trockene Epidermis.
    foto: istock

    Fühlt sich nicht besonders gut an: trockene Epidermis.

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