Wortkunde: Daten

24. Jänner 2015, 17:00
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Terror stachelt die Sammelwut an: der endlose Drang der Staaten nach Daten

Daten sind momentan eine begehrte Ware, so begehrt, dass sie manche Staaten sogar auf Vorrat einlagern wollen. Diesem Drang verdanken wir auch die "Vorratsdatenspeicherung", ein Wortungetüm jüngeren Da tums: Im Standard tauchte es laut Archiv erstmals 2005 auf, im Rechtschreibduden dann 2009.

Daten gab es freilich schon zuvor, erst als Plural des lateinischen "Datum" ("Heut ist der 6. März ... Schreiben Sie doch auch immer die Daten", Goethe in einem Brief an die Gräfin Stolberg). Wörtlich meint das vom lat. "dare" abgeleitete Datum "das Gegebene" (im Französischen, wo Computerdaten "données" heißen, ist der Zusammenhang mit "geben", donner, noch unmittelbar spürbar).

Zu Goethes Lebzeiten bedeuteten die "Data" (so die frühere Mehrzahl anstelle des jüngeren "Daten") aber auch, genau wie heute, Gegebenheiten, Fakten, Angaben, Informationen. Lapidar heißt es in Kluges Etymologischem Wörterbuch, dass der Gebrauch des D-Worts "mit der elektronischen Datenverarbeitung im 20. Jh. eine starke Ausweitung" erfahren habe. Das kann man wohl sagen. Die Anzahl der Komposita mit "Daten" ist in der avancierten Informationsgesellschaft jedenfalls Legion: D.-autobahn, -bestand, -dieb, - satz, -schutz, -speicherung usw. Auch die "Datei" gehört hierher: So wie eine Auskunftei viele Auskünfte parat hat und eine Kartei viele Karten enthält, finden sich in Dateien Daten zusammen, oft gleich schüppelweise. Ein wahrer Traum für jeden Vorratsdatenspeicherer. (win, DER STANDARD, 24./25.1.2015)

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    foto: matthias cremer
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