Soziale Ungleichheit macht Migranten häufiger krank

23. Jänner 2015, 12:59
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Vorsorgeangebote werden weniger, Spitalsambulanzen vermehrt genutzt

Wien - Migranten leiden stärker unter gesundheitlichen Belastungen als der Rest der Bevölkerung. Gleichzeitig haben sie mit sprachlichen und oft auch kulturellen Barrieren im Gesundheitssystem zu kämpfen, geht aus einer Studie im Auftrag von Gesundheitsministerium und Arbeiterkammer hervor. Wie man Zuwanderern ein gesünderes Leben ermöglichen kann, wurde am Freitag in der Arbeiterkammer diskutiert.

Belastende Tätigkeiten

Für die Untersuchung zog die Gesundheit Österreich GmbH vorliegende Studienergebnisse zum Thema "Migration und Gesundheit" heran. Einige der Ergebnisse: Menschen mit Migrationshintergrund haben häufiger ein niedrigeres Einkommen und gehen verstärkt belastenden Hilfsarbeitertätigkeiten nach. Das führt zu einem schlechteren Gesundheitszustand.

Gesundheitlich gut oder sehr gut fühlen sich laut einer Erhebung aus den Jahren 2006/07 nur 67 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen aus der Türkei und Ex-Jugoslawien in Österreich. Ohne Migrationshintergrund liegt dieser Wert bei 80 beziehungsweise 79 Prozent. Ähnliche Unterschiede gib es auch bei "erheblichen Schmerzen im letzten Jahr" oder bei der kindlichen Zahngesundheit.

Sprachbarriere

Der Zugang für Migranten ist schwieriger, weil sprachliche Barrieren, kulturelle Tabus und unterschiedliche Krankheitsauffassungen bestehen und Behandlungsangebote bei migrationsbedingten psychosozialen Belastungen fehlen, so die Autoren. Migranten nutzen häufiger Spitalsambulanzen anstelle niedergelassener Ärzte (u.a. weil das in den Herkunftsländern oft üblich ist) und nehmen Vorsorgeanbote (Mammografie, Prostata-Untersuchung) weniger in Anspruch.

Großer Forschungsbedarf

Als positive Ansätze werden etwa das EU-Projekt "migrant-friendly hospitals", das "Projekt Nachbarinnen" und der Lehrgang "MiMi-GesundheitslotsInnen" genannt. Vermisst wird von den Studienautoren etwa eine Untersuchung, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und dem gesundheitlichen Wohlbefinden befasst.

Insgesamt gebe es noch großen Forschungsbedarf, so die Schlussfolgerung der Arbeiterkammer. Diversität müsse im Gesundheitssystem eine größere Rolle spielen, für die Beschäftigten brauche es hier entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebot. (APA, 23.01.2014)

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