Sequenz des Wiener Kunsthandels

23. Jänner 2015, 17:19
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Mit 1000 Positionen startet die Auktionssaison in Wien, darunter viele Raritäten und ein Dokument

Kostbarkeiten, unter diesem Titel startet "im Kinsky" in die neue Auktionssaison. Knapp 1000 Objekte hat man derzeit in der Schaustellung im Palais Kinsky verteilt. Kommende Woche (27./28. 1.) werden die mit moderaten Schätzwerten von 500 bis 30.000 Euro ausgestatteten artifiziellen Verführungen versteigert. Im Angebot finden sich abseits des klassischen Bilderrepertoires auch Raritäten wie ein Konvolut Wiener Grußkartenbillets, die sich in der Zeit des Wiener Kongresses bis um 1840 großer Beliebtheit erfreuten.

Versehen mit Rahmen aus gepresstem Goldpapier oder -folie, sind es eigenständige kleine Bildwerke. "Mit solchen Gaben überbrachten Geliebte oder geheime Verehrer liebevolle Botschaften, die es wert waren, aufbewahrt zu werden", erklärt die zuständige Expertin Roswitha Holly. Die Rufpreise für die Unikate liegen zwischen 300 und 600 Euro.

In der Kategorie Bilder des 19. Jahrhunderts findet sich wiederum ein beachtenswertes Aquarell von Ernst Graner (1865-1943). Dessen Spezialität waren Ansichten mit Staffagen aus Wien, mit bekannten Bauwerken wie Hofburg oder Schloss Schönbrunn. Bei seinen Streifzügen durch die Wiener Innenstadt erkor er aber auch weniger bekannte Bauwerke als Motiv.

Das aktuell offerierte Werk datiert aus dem Jahr 1906 und zeigt eine Sequenz der Weihburggasse in Wien, bei der ein Antiquitätengeschäft im Mittelpunkt steht. Über den Abgleich mit alten Adressbüchern bestätigt sich, dass dort unter Nummer 14 ein gewisser Moses Blumka angesiedelt war. Er verstarb 1918 und war Spross einer Kunsthändlerdynastie, die in der Wiener Innenstadt mehrere Niederlassungen hatte, etwa auch in der Rauhensteingasse, wo der auf Kunst des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks spezialisierte Leopold Blumka in dritter Generation seine Geschäfte betrieb.

Im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Kunsthandlung liquidiert und unter kommissarische Verwaltung gestellt, erzählt Historikerin Sophie Lillie. Nach dem Tod seiner Mutter im September 1938 - die Begräbniskosten, so Lillie, wurden über den Verkauf von Zinngegenständen im Wert von 15.000 Reichsmark gedeckt - emigrierte Sohn Leopold nach New York. Dort eröffnete er 1939 im Stadtteil Manhattan die 1973 von seiner Ehefrau Ruth übernommene Blumka Gallery, die sich mit dem exquisiten Programm bei Kuratoren namhafter amerikanischer Museen einen Namen machte. Sie existiert bis heute und wird nun von Anthony Blumka in vierter Generation geführt. (kron, DER STANDARD, 24.1.2015)

  • Das Geschäft von Moses Blumka in der Weihburggasse.
    foto: im kinsky

    Das Geschäft von Moses Blumka in der Weihburggasse.

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