Buntbarschschwestern trauen sich mehr als Männchen

23. Jänner 2015, 12:33
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Weibliche Buntbarsche entfernen sich elfmal weiter vom Geburtsort als Männchen und setzen dabei auf die Sicherheit der Sippe

Wien - Buntbarsch-Weibchen sind abenteuerlustiger als männliche Artgenossen. Österreichische Verhaltensforscher haben bei Tauchgängen im zentralafrikanischen Tanganjikasee beobachtet, dass sie sich durchschnittlich elfmal weiter vom Geburtsort entfernen als Männchen. In der "Fremde" setzen die Weibchen also auf den Schutz der Sippe und schwimmen häufig mit Schwestern im Schwarm, berichten die Forscher im Fachjournal "Oecologia".

Bei vielen Tierarten entfernt sich ein Geschlecht weiter vom Geburtsort als das andere. Damit soll u.a. Inzucht oder der Wettkampf um begrenzte Ressourcen vermieden werden. Bei Säugetieren ziehen meist die Männchen in die Ferne, während die Weibchen eher in der Nähe der Wohnhöhlen, Nester, etc. bleiben. "Im Gegensatz dazu sind es bei der untersuchten Buntbarschart (Neolamprologus caudopunctatus) offenbar die Weibchen, die abwandern", erklärt Franziska Lemmel-Schädelin vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer Aussendung.

Sie hat mit ihren Kollegen bei zahlreichen Tauchgängen die Buntbarsche im zweitgrößten See Afrikas beobachtet. Die Wissenschafter interessierten sich dabei vor allem dafür, wie Geschlecht, Größe und Verwandtschaftsverhältnisse der Fische ihre Verbreitung und ihr Schwarmverhalten beeinflussen. Dazu sammelten sie von mehr als 900 Tieren DNA-Proben der Rückenflossen, dokumentierten Körpergröße und Geschlecht.

Männchen lieber mit nicht verwandten Artgenossen unterwegs

Die Forscher stellten fest, dass sich Weibchen bis zu elf Mal weiter von ihren Bruthöhlen entfernen als die Männchen, wobei die Forscher vermuten, dass sie dabei Strecken von mehreren Hundert Meter im Laufe ihres Lebens zurücklegen. Bei der Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Schwärme zeigte sich, dass kleine - und deshalb wahrscheinlich jüngere - Weibchen eher mit ihren Schwestern im Schwarm schwimmen. Kleine Männchen tun das nicht, sie schwimmen in Schwärmen mit nicht verwandten Artgenossen. Und auch bei größeren und somit älteren Fischen war der Hang zum Familien-Schwimmen nicht mehr zu beobachten.

Das Verhalten der jüngeren Weibchen vergrößert den Vorteil des Schwarms, da der gemeinschaftliche Schutz den eigenen Verwandten zu Gute kommt. "Das erhöht die Chancen, dass es wenigstens eine aus der Familie schafft", fördere das Weiterbestehen und die künftige Verbreitung der eigenen Erbinformation, so Lemmel-Schädelins Kollege Richard Wagner. (APA/red, derStandard.at, 23.01.2015)

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