EU-Parlamentspräsident Schulz fordert von Saudi-Arabien Einstellung der Prügelstrafe

23. Jänner 2015, 11:04
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Schulz verglich die Peitschenhiebe für einen Blogger mit den Videos von Enthauptungen der IS-Miliz

Straßburg - EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat Saudi-Arabien wegen der öffentlichen Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi scharf kritisiert. Er könne keinen Unterschied erkennen zwischen einem Enthauptungsvideo der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in einem sozialen Netzwerk und einer staatlich betriebenen Prügelstrafe, Hinrichtung oder Enthauptung, die auf einem öffentlichen Platz gezeigt werde, sagte er am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin".

Er fügte hinzu: "Ich glaube, Saudi-Arabien muss begreifen, man kann nur ein glaubhafter Partner für uns sein, wenn diese mittelalterlichen, archaischen Methoden eingestellt werden." Die Strafe für den Blogger sei eine "Hinrichtung auf Raten".

Schulz und Faymann fordern Freilassung

Schulz hatte vor wenigen Tagen in einem gemeinsamem Brief mit Kanzler Werner Faymann (SPÖ) an den saudischen Kronprinzen und nunmehrigen König Salman ibn Abd al-Aziz um die Freilassung Badawis gebeten.

Badawi war im Mai vergangenen Jahres zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt und den Säkularismus gerühmt haben soll. Die ersten 50 Stockschläge hatte er vor zwei Wochen in Jeddah nach der Freitagspredigt in aller Öffentlichkeit bekommen. Der Fall löste weltweit Kritik aus.

Vergangene Woche wurde auch ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung einer Frau auf einer Straße in Mekka zeigt. Jener Mann, der die öffentliche Hinrichtung durch die saudischen Behörden mit seinem Handy filmte, wurde inzwischen festgenommen. Er könnte, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der "New York Times", wegen Cyberkriminalität angeklagt werden.

Gegen die burmesische Frau wurde die Todesstrafe ausgesprochen, da sie ihre siebenjährige Tochter mit einem Besen geschlagen haben soll. Saudi-Arabien hat im vergangenen Jahr 87 Menschen hingerichtet. Dieses Jahr waren es allein im Jänner bereits elf Menschen. (red, APA, 23.1.2015)

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