Krach bei Pegida: Den Dresdnern ist Legida zu radikal

22. Jänner 2015, 17:32
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Pegida-Gründer prüfen Klage gegen Legida, den Ableger aus Leipzig. Pegida Wien hält sich an das Dresdner Original

Berlin/Wien - Sehr weit ist der Weg von Dresden nach Leipzig nicht. Rund 120 Kilometer liegen die beiden sächsischen Städte auseinander. Jene, die in Leipzig gegen die angebliche Islamisierung Deutschlands kämpfen, wähnen sich den Dresdnern auch sonst sehr nahe. "Wir schließen eine Allianz mit unseren Freunden in Dresden", heißt es auf der Homepage von Legida.

Doch in der Pegida-Hochburg Dresden, dort, wo sich die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" zuerst formiert haben, ist man von so viel Nähe gar nicht begeistert. Im Gegenteil: Das Dresdner Original prüft nun sogar eine Unterlassungsklage gegen die Leipziger.

Legida nämlich, so Pegida-Pressesprecherin Kathrin Oertel, spreche ihre Forderungen nicht mit Pegida ab: "Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen." Hintergrund des Zwists: Die Leipziger werden als radikaler eingestuft als die Dresdner.

Legida "viel radikaler"

Legida sei im Vergleich zu Pegida "entschlossener und viel radikaler", erklärt der sächsische Verfassungsschutzpräsident Gordian Meyer-Plath. In Leipzig hätten parteigebundene Rechtsextremisten, Angehörige der Kameradschaftsszene und rechtsextreme Hooligans schon mehrfach gemeinsame Sache gemacht. "Diese Kräfte versuchen jetzt, im Rahmen von Legida eine Plattform zu finden", so Meyer-Plath.

Zwar betont auch Legida: "Jeder Mensch, gleich welcher Nationalität oder Religion, ist uns willkommen!" Doch auf der Website heißt es auch: "Legida - Für Heimat, Frieden und deutsche Leitkultur." Und: "Die politisch Verantwortlichen in unserem Land sollten Sorge dafür tragen, dass islamistische Einflüsse auf unsere Kultur, gleich welcher Art, unterbunden werden."

Nach dem Rücktritt von Pegida-Chef Lutz Bachmann, der über eine Selfie mit Hitler-Pose und Hetztiraden gegen Ausländer auf Facebook gestürzt war, ist man in Dresden sehr bemüht, sich "bürgerlich" zu geben. "Wir wollen verhindern, dass Pegida in das rechtsextreme Spektrum abgleitet", sagt Oertel.

Wiener tragen Werte mit

Pegida Wien will sich jedenfalls an die Dresdner anlehnen. "Die deutsche Pegida ist das Mutterschiff. Auch wir in Österreich übernehmen das Positionspapier", sagt Pegida Wien zum Standard. Man trage die Werte und Forderungen aus Dresden "vollinhaltlich" mit und arbeite derzeit an einer Adaption an "die österreichischen Verhältnisse". Die verschiedenen "*gidas stehen in keinem Konkurrenzverhältnis zueinander".

Im Dezember wurden auf Facebook einige österreichische Ablegerseiten der Bewegung gegründet. "Pegida Österreich" gefällt in dem Netzwerk derzeit rund 11.000 Nutzern. Seit kurzem gibt es nun mit dem Studenten und - wie er sich selbst nennt - "freisinnigen Publizisten" Georg Immanuel Nagel einen Österreich-Sprecher. Ein Verein wurde bereits angemeldet. Wer außer Nagel in Österreich hinter der Bewegung steht und wie viele Menschen diese tatsächlich unterstützen, ist derzeit aber noch unklar.

Am 2. Februar wird die Bewegung nun erstmals in Wien demonstrieren. "Ich traue mich nicht einzuschätzen, wie viele Menschen kommen werden", sagt Nagel. Es soll jedenfalls eine "friedliche Kundgebung" werden, an der jeder teilnehmen könne, der "die Botschaft mittragen" möchte. "Wir nehmen gerne auch Grüne oder liberale Muslime auf", erklärt Nagel. Grundsätzlich wolle man sich jedoch von jeglicher Partei distanzieren: "Pegida ist und bleibt unpolitisch."

Weniger Demonstranten

Was die Zahl der Demonstranten angeht, so hat man sich in Leipzig ziemlich verschätzt. Legida hatte eine Demo mit 60.000 Teilnehmern angemeldet. Es kamen allerdings nur 15.000. Diese standen 20.000 Pegida-Gegnern gegenüber. Es kam zu Ausschreitungen, bei denen drei Polizisten verletzt wurden. Nach Angaben der Stadt Leipzig wurden aus dem Pulk der Legida-Anhänger Journalisten sowie Demonstranten des "No-Pegida"-Bündnisses angegriffen und beschimpft. (Birgit Baumann, Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 23.1.2015)

  • "Leipziger Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" am Mittwoch bei einer Demonstration in Leipzig.
    foto: reuters/hannibal hanschke

    "Leipziger Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" am Mittwoch bei einer Demonstration in Leipzig.

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