Deutsche Polizei: Die schengen dir nichts

Kolumne23. Jänner 2015, 19:34
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Ein Autobahnerlebnis mit der deutschen Exekutive

Das Jahr fängt ja gut an. Kumpel Sebastian, von Wien mit dem Auto seiner Eltern nach München unterwegs, soeben hat er die Grenze passiert. Zwischen zwei Lkws sieht er einen 3er-BMW mit abgedunkelten Scheiben. Als bekennender Konsument der dokumentarisch wertvollen TV-Serie "Achtung Kontrolle - Einsatz für Ordnungshüter" läuten die Alarmglocken: Nicht umsonst gurkt so ein Fahrzeug auf beschränkungsfreier Fahrbahn rechts herum.

Richtiger Verdacht. Kaum ist er am BMW vorbei, schert der aus, schneidet seinen Wagen und zieht in Sachen Lichteffekte sämtliche Register - "Polizei folgen!" Ja, und dann ging es los, auf einem namenlosen Parkplatz. "Fahrzeugpapiere, Führerschein." Kurzes Studium. "Das ist ja gar nicht Ihr Wagen!" Und: "Wo wollen Sie hin?" Die Antwort meines Kumpels stellt die Amtshandelnden wenig zufrieden. "Entfernen Sie sich vom Fahrzeug." Umgehend beginnt sein Kollege akribisch das Auto zu durchsuchen und alles zu durchwühlen. Der Wortführer legt derweil die Hand an die Waffe. Vermutlich zu viel US-Krimiserien gesehen.

Keine Entschuldigung

Schlussendlich verläuft die Amtshandlung ins Leere. Sebastian darf weiterfahren - ohne Entschuldigung, ohne gar nichts. Beiläufiger Kommentar: "Das Schengen-Abkommen berechtigt uns dazu." Klar - zumindest rechtlich: Auch mit Schengen sind Polizeikontrollen, schreibt das Innenministerium, "weiter möglich und sinnvoll (vor allem im Landesinneren)". Die Frage nach der Sinnhaftigkeit wird man in so einem Fall aber stellen dürfen. Und an Höflichkeit ist noch keiner erstickt. (Stephan-Alexander Krenn, DER STANDARD, 23.1.2015)

  • In Sachen Lichteffekte wurden alle Register gezogen.
    foto: rene ruprecht/dpa/apa

    In Sachen Lichteffekte wurden alle Register gezogen.

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