Bettler in Schweden: Rumänien zahlt Bürgern "Heimreisegeld"

22. Jänner 2015, 16:27
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Rumänische Regierung sagt Hilfe bei Rückkehr der Migranten zu

Stockholm - Rumänien soll mehr Verantwortung für seine eigenen Staatsbürger übernehmen. Das fordern schwedische Politiker. Die Zahl der bettelnden Rumänen in den schwedischen Innenstädten nehme konstant zu. Rund um Stockholm sind bereits ganze Elendsquartiere entstanden, informelle Siedlungen, die aus notdürftig zusammengezimmerten Baracken bestehen. Sie werden zu einem großen Teil von Roma aus Rumänien bewohnt.

Als EU-Bürger können Rumänen ohne Visa oder Arbeitsbewilligung nach Schweden einreisen. Das wird durch die Reisefreiheit gewährleistet. Die schwedische Regierung und die EU haben in diesem Zusammenhang wiederholt darauf gedrängt, dass die rumänische Regierung den Roma menschenwürdige Lebensbedingungen gewährleistet, damit weniger Menschen das Land verlassen müssen, um in europäischen Städten zu betteln.

Die Politiker Lotta Edholm und Erik Scheller von der Volkspartei haben sich in dieser Woche in einem Interview mit dem Schwedischen Rundfunk dafür ausgesprochen, dass die Heimatländer von Bettlern die Kosten übernehmen, die diese für die Sozialsysteme anderer EU-Staaten verursachen. Die Ausgaben für diese Menschen sind jedoch relativ gering. Denn rechtlich sind die schwedischen Kommunen nicht verpflichtet, anderen EU-Bürgern zu helfen. Zudem sind die Migranten kaum registriert und haben keinen Zugang zu Sozialhilfe oder anderen finanziellen Hilfen. Edholm betonte im Interview, dass es auch gar nicht um die Kosten, sondern um ein Umdenken in Rumänien gehe: Dort werde von Politikern Stimmung gegen die Volksgruppe gemacht.

Rumänien zahlt Heizkosten

Die rumänische Regierung signalisiert nun ein Entgegenkommen: Am Dienstag wurde bekannt, dass von schwedischen Hilfsorganisationen und der rumänischen Botschaft die Heimreise von vorerst 60 Migranten organisiert wurde. Die Regierung hat zudem zugesagt, ihnen bei der Suche nach Unterkünften zu helfen und ihre Elektrizitäts- und Heizkosten zu übernehmen, solange sie sich wieder in die Gesellschaft integrieren. Sie sollen zudem auf das Berufsleben vorbereitet werden.

Schweden kam in den vergangenen Jahren bezüglich des Umgangs mit Roma wiederholt in die Kritik. Im südschwedischen Skåne wurden etwa im Jahr 2013 Geburtsdaten und Ausweisnummern von mehr als 4000 Roma und deren Ehepartnern gesammelt, auf die die landesweite Kriminalpolizei zugreifen kann. Grund für die Registrierung war weder eine begangene Straftat noch ein Verdacht, sondern allein die ethnische Zugehörigkeit. (Julia Schilly, DER STANDARD, 23.1.2015)

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