Wie das Klima die Entwicklung von Sprachen beeinflusst

25. Jänner 2015, 16:06
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Sprachen mit vielfältigen Tonhöhen entwickelten sich vor allem in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit, berichten Forscher in "PNAS"

Nijmegen - Das Wetter beeinflusst nicht nur auf unsere Stimmung, sondern auch auf unsere Stimme: Das berichtet ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Max-Planck-Institute für Psycholinguistik, evolutionäre Anthropologie und Mathematik. Ihre Analyse im Fachblatt "PNAS" hat ergeben, dass Sprachen mit vielfältigen Tonhöhen eher in Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit vorkommen, Sprachen mit einfacheren Betonungen hingegen vor allem in trockenen Gebieten.

Grund dafür sei, dass die Stimmlippen eine feuchte Umgebung brauchen, um den richtigen Ton zu treffen. Die Tonhöhe ist in allen Sprachen ein wichtiger Teil der Kommunikation - in manchen mehr, in anderen weniger. Deutsch oder Englisch beispielsweise bleibt immer noch verständlich, wenn ein Roboter alle Wörter gleich betont und monoton ausspricht.

Im chinesischen Mandarin dagegen kann die Betonung den Sinn eines Wortes komplett verändern. "Ma" mit einer gleichmäßigen Betonung bedeutet "Mutter", "ma" mit einer zunächst sinkenden und dann steigenden Betonung heißt "Pferd". "Nur wer die Tonhöhe korrekt trifft, kann sich in einer solchen sogenannten Tonsprache ausdrücken", erklärt Seán G. Roberts vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen.

Empfindliche Stimmlippen

Das Klima könne aber für die Sprecher einer Tonsprache zum Problem werden, denn die Stimmlippen im Kehlkopf - umgangssprachlich meist inkorrekt als Stimmbänder bezeichnet - leiden darunter. Schon die vorübergehende Erhöhung der Luftfeuchtigkeit wirkt sich auf die Stimmlippen aus: Die Feuchtigkeit hält die Schleimhäute feucht und macht sie elastischer. Zudem verändert sie Ionenhaushalt innerhalb der Stimmlippenschleimhäute.

Bei guter Befeuchtung können die Stimmlippen dadurch ausreichend schwingen und den richtigen Ton treffen. Die Forscher vermuteten deshalb, dass sich Tonsprachen seltener in trockenen Regionen entwickeln, da variantenreiche Tonhöhen unter diesen Bedingungen schwerer zu produzieren sind und leichter zu Missverständnissen führen. "Moderne Datenbanken ermöglichen es uns, die Eigenschaften von tausenden von Sprachen zu analysieren", sagt der Max-Planck-Forscher Damián Blasi. "Sie bringen aber auch Probleme mit sich, denn eine Sprache kann ihre komplexen Betonungen auch einfach von einer anderen Sprache geerbt haben.

3.750 Sprachen analysiert

In ihrer Studie berichten die Wissenschafter nun, dass sie diesen Effekt von der Rolle des Klimas trennen können. Dazu untersuchten sie den Zusammenhang zwischen Luftfeuchtigkeit und der Bedeutung der Tonhöhe an über 3.750 Sprachen aus unterschiedlichen Sprachfamilien. Demnach kommen Tonsprachen in trockenen Gebieten tatsächlich deutlich seltener vor. So sind im vergleichsweise trockenen Mitteleuropa keine Tonsprachen wie in den Tropen und Subtropen Asiens und Zentralafrikas entstanden.

Das Klima formt also offenbar die Rolle der Betonung in einer Sprache und damit die Art und Weise, wie Informationen ausgetauscht werden. Selbst kleine Effekte könnten sich im Laufe der Generationen so verstärken, dass ein globales Muster entstehe, meinen die Forscher: "Wenn in Deutschland ein feuchter Regenwald wachsen würde, hätte sich Deutsch vielleicht auch zur Tonsprache entwickelt." (red, derStandard.at, 25.1.2015)

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