Kritik an ungleicher Verteilung von Ärztegehältern

22. Jänner 2015, 15:38
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Ökonom Köck: Führungskräfte profitieren stärker

Wien - Der Ton in den Verhandlungen wird rauer. Das neue Ärztearbeitszeitgesetz, das die maximale Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden beschränkt, ist seit 1. Jänner in Kraft. Die Verhandlungen über eine Anhebung der ärztlichen Grundgehälter sind aber in einigen Bundesländern nicht abgeschlossen.

In Oberösterreich kehrte Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) plötzlich Spitzenverdiener hervor und sprach von Primarii mit Jahreseinkommen von bis zu 900.000 Euro. Eine Welle der Empörung und offener Briefe an den Landeshauptmann folgten. Ein Turnusarzt habe ein Grundgehalt von 2800 Euro, ein Arzt in Führungsposition verdiene laut Kollektivvertrag 5656 Euro ohne Zulagen, schreibt ein oberösterreichischer Arzt auf stopptdieaerztevertreibung.at.

Kritik an Gehaltsstruktur

Die Umsetzung des Ärztearbeitszeitgesetzes ist stark an die Geldfrage geknüpft. Für Gesundheitsökonom Christian Köck ist das wenig überraschend, er sieht das als Grundproblem der österreichischen Gesundheitspolitik. "Die öffentliche Hand zahlt Gehälter, die weit unter dem Markt liegen, dafür dürfen die Ärzte außerhalb der Kernarbeitszeit machen, was sie wollen", sagt Köck im STANDARD-Gespräch.

Gibt es also die hohen Spitzengehälter doch? Ja, sagt Köck, das hänge aber stark von der Fachrichtung ab. Ein plastischer Chirurg verdiene weit mehr als ein Kinderarzt – auch in einer Führungsposition. Doch der zitierte Jahresverdienst bestehe eben nicht nur aus dem Gehalt, das der Spitalsträger zahle, sondern auch aus Operationen in Privatspitälern und aus Honoraren von Sonderklassepatienten. Wird ein Patient mit Zusatzversicherung in einem öffentlichen Krankenhaus behandelt, bleiben 25 Prozent Hausanteil. Diese werden dann wieder nach einem Schlüssel aufgeteilt, der von Träger zu Träger unterschiedlich ist. Ökonom Köck: "Schief verteilt nach oben." Heißt: Ärzte in Führungsposition bekommen mehr als Assistenzärzte.

Nachtdienste, "wo nur geschlafen wird"

Zurück zur Ärztearbeitszeit: Köck kritisiert, dass der Anstoß, etwas zu ändern, von der EU kommen musste. Um das Gesetz sinnvoll umzusetzen, müssten die internen Spitalsprozesse geändert werden. Denn es gebe Fächer mit entspannteren Nachtdiensten, "wo nur geschlafen wird". Dort werde in der Nacht nicht behandelt, die Versorgung könnte von der Notfallstation übernommen werden, sagt der Gesundheitsökonom.

Eine Möglichkeit für öffentliche Spitäler wäre laut Köck, mehr Privatpatienten zu behandeln. Bei Komplikationen werden diese sofort in öffentliche Spitäler überstellt. Das gehe zulasten der Steuerzahler. "Wenn die Behandlung unkompliziert und billig wird, geht es zurück ins Privatspital", sagt Köck. Das sei absurd. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 23.1.2015)

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