Wie die Artenvielfalt auf Borneo gerettet werden könnte

24. Jänner 2015, 17:45
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Forscher prognostizieren eine düstere Zukunft für viele Spezies auf der artenreichen Insel - und zeigen Auswege auf

Jakarta - Borneo, drittgrößte Insel der Welt (und größte Asiens) ist ein Hotspot der Biodiversität. Doch Klimaerwärmung und Entwaldung könnte in Zukunft zahlreiche Tierarten auf der südostasiatischen Insel in Bedrängnis bringen: Bis zum Jahr 2080 seien schlimmstenfalls rund 40 der 221 bekannten heimischen Säugetierarten vom Aussterben bedroht, prognostiziert ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Current Biology". Der einzige Ausweg sei die Etablierung zusätzlicher Schutzgebiete.

Die dafür notwendigen Areale müssten nicht einmal besonders groß sein, entscheidend sei die Lage, so die Forscher um Matthew Struebig (Universität Kent) und Andreas Wilting (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin, IZW). Sie erstellten ein Modell, das sowohl mögliche Klimaveränderungen der kommenden 65 Jahre berücksichtigt, als auch prognostiziert, welche Gebiete der Insel mit der höchsten Wahrscheinlichkeit abgeholzt werden. Grundlage dafür waren Satellitendaten, auf denen sich veränderte Landnutzung ablesen lasse, wie die IZW-Forscherin Stephanie Kramer-Schadt sagte.

Höhere Waldgebiete als Kompromiss

Am stärksten verändern sich der Prognose nach die Tieflandregenwälder: Zwar fänden voraussichtlich viele Säugetiere, darunter seltene Primaten, auch in höher gelegenen Gebieten noch passende Bedingungen vor. Andere Spezies wie etwa Flachkopfkatzen bevorzugten hingegen die gefährdeten Torf- und Sumpfgebiete. Daten zu möglichen geeigneten Lebensräumen von rund 80 Arten flossen entsprechend in die Studie ein.

Um möglichst vielen Arten weiterhin Lebensraum zu bieten, seien neue Reservate mit einer Fläche von insgesamt etwa 28.000 Quadratkilometern nötig, bilanziert das Team. Das entspreche nur vier Prozent des Inselgebietes. Relevant wären höher gelegene Waldgebiete, die für viele Arten infrage kämen. "Das heißt aber nicht, dass Wälder im Flachland nicht weiter geschützt werden müssen", betonte Kramer-Schadt.

Zu einem erfolgreichen Artenschutz müsste der Studie zufolge auch die Holzwirtschaft in der Region beitragen, die Wälder Borneos zählen zu den am meisten gefährdeten der Welt. Die Studienergebnisse sollen daher auch den Regierungen in Indonesien, Malaysia und Brunei vorgestellt werden, unter denen die Insel aufgeteilt ist. (APA/red, derStandard.at, 22.1.2015)

  • Die Flughundart Eonycteris major lebt nur auf Borneo und den Philippinen. Ohne Schutzgebiete ist ihr Fortbestand nicht gesichert.
    foto: matthew struebig/university of kent

    Die Flughundart Eonycteris major lebt nur auf Borneo und den Philippinen. Ohne Schutzgebiete ist ihr Fortbestand nicht gesichert.

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