Zürcher Forscher mit neuem Ansatz für Krebstherapie

22. Jänner 2015, 14:38
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Mehr Sauerstoff statt weniger Sauerstoff soll Tumore bremsen

Zürich - Mehr statt weniger Sauerstoff für Krebstumore: Wissenschafter des Universitätsspitals Zürich (USZ) haben in der Krebstherapie eine Kehrtwende vollzogen. Erreicht wird dies mit einem neuartigen Medikament. Dieses wird jetzt erstmals in einer klinischen Studie an Menschen erprobt.

Bisher galt die Maxime, die Sauerstoffzufuhr zum erkrankten Gewebe zu drosseln - der Tumor solle als Folge davon weniger wachsen, wie das USZ am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb. Neue Studien hätten jedoch gezeigt, dass der Sauerstoffmangel den Tumor aggressiver machen könne und er Metastasesn in sauerstoffreichem Gewebe bilde.

Kehrtwendung in der Krebstherapie

Mit der neuen Therapie wird nun die Sauerstoffzufuhr angekurbelt. Die Wissenschafter hoffen, dass damit Chemotherapie und Bestrahlung stärker wirken. Entwickelt wurde der neue Ansatz im Schweizer Zentrum für Leber- und Pankreaskrankheiten am USZ, wo Spezialisten verschiedener Fachgebiete eng zusammenarbeiten. Er bedeutet eine Kehrtwendung in der Krebstherapie.

Kernstück der neuen Therapie ist das Medikament ITTP (Inositol Trispyrophosphat). Dieses wird nun in Zürich als Weltpremiere an Menschen erprobt. Erste Ergebnisse werden laut Mitteilung in spätestens einem Jahr erwartet.

Erste Ergebnisse in einem Jahr

Entdeckt worden war ITTP von Chemie-Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn und seinem Team an der Universität Straßburg. Zusammen mit Fachleuten aus Boston (USA) wurde es dann im Tiermodell entwickelt.

An der Studie nehmen 70 Patientinnen und Patienten teil. Sie leiden an Leber-, Bauchspeicheldrüsen- oder Gallengangkrebs oder haben Metastasen von Dickdarmkrebs. Nach der Anwendung des Medikaments unterziehen sie sich einer individuellen Chemotherapie.

Die Wissenschafter wollen wissen, ob die Chemotherapie nach Einnahme von ITTP besser wirkt als ohne das Medikament. Zudem beobachten sie laut Mitteilung dessen Verträglichkeit und Sicherheit. Erste Ergebnisse sollen spätestens in einem Jahr vorliegen. (APA, derStandard.at, 22.1.2015)

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