Ungewöhnliche Riesenstürme toben durch Uranus' Atmosphäre

24. Jänner 2015, 18:00
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US-Astronomen rätseln noch über die hellsten je auf dem Uranus beobachteten Wettererscheinungen

Berkeley - Normalerweise gibt es auf dem siebten Planeten unseres Sonnensystems wenig spannendes zu sehen. Nun aber scheint es, als wäre der eisige Gasriese im Vorjahr aus seinem Schlummer erwacht: US-Astronomen um Imke de Pater haben mehrere riesige Stürme auf der Nordhalbkugel des Planeten ausgemacht. Die Stürme sind so hell, dass sie selbst mit Amateurteleskopen erkennbar sind. Über ihren Ursprung rätseln die Wissenschafter noch.

"Wir haben keine Ahnung, es ist ein echtes Mysterium", gesteht de Pater von der University of California in Berkeley. Die Wissenschafterin entdeckte die insgesamt acht hellen Flecken am 5. und 6. August 2014 bei Beobachtungen mit dem 10-Meter-Infrarotteleskop des Keck Observatoriums auf Hawaii. "Das war heller als alles, was wir bisher jemals in der Uranus-Atmosphäre gesehen haben", berichtet de Pater.

Welche Vorgänge für die Wettererscheinung verantwortlich sind, wissen die Forscher nicht. Dennoch gewährten ihnen die gesammelten Daten einen wertvollen Einblick in die Uranus-Atmosphäre. Die Stürme erschienen auf den Infrarotaufnahmen bei einer Wellenlänge von 2,2 Mikrometern am hellsten, was darauf schließen lässt, dass sie weit über die umliegenden Wolken emporragen. Wie die Forscher im Fachjournal "Icarus" vermuten, rührt der helle Schein von Methangas her, das zu Eis kondensiert.

Extremfall Uranus

Das Wettergeschehen - und damit auch die Stürme - hängt unmittelbar mit den Jahreszeiten zusammen, und die wiederum ergeben sich aus der Achsenneigung der Planeten. Uranus bildet in dieser Hinsicht einen Extremfall: Seine Rotationsachse ist um 98 Grad gegen seine Bahnebene geneigt. Erreicht der Sommer auf der Nordhemisphäre seinen Höhepunkt, weist der Nordpol des Uranus ziemlich genau in Richtung Sonne.

Die wettermäßig turbulenteste Zeit ist allerdings während des Frühlings- und Herbst-Äquinoktiums; dann nämlich bekommt der Äquator des Uranus die meiste Sonne ab und heftige Stürme toben durch die Atmosphäre. Die letzte Tag-und-Nachtgleiche ist allerdings fast acht Jahre her. Dennoch könnte die aktuelle Sturmaktivität noch mit jahreszeitlichen Veränderungen in Zusammenhang stehen, meint de Pater. Um das zu belegen, müsste das Phänomen zur entsprechenden Zeit auch auf der südlichen Hälfte des Uranus auftreten. De Pater befürchtet allerdings, dass sie um das zu beobachten nicht mehr lange genug leben wird. (tberg, derStandard.at, 24.01.2015)

  • Insgesamt acht große Stürme zählten die US-Astronomen Anfang August vergangenen Jahres. Möglicherweise haben sie mit jahreszeitlichen Veränderungen des Wettergeschehens zu tun.
    foto: imke de pater (uc berkeley) & keck observatory images

    Insgesamt acht große Stürme zählten die US-Astronomen Anfang August vergangenen Jahres. Möglicherweise haben sie mit jahreszeitlichen Veränderungen des Wettergeschehens zu tun.

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