Neue Bim-Flotte für Wien: Siemens blitzt mit Einspruch ab

22. Jänner 2015, 17:05
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Ausschreibungskriterien wurden laut Verwaltungsgericht eingehalten

Wien – Das Verwaltungsgericht in Wien gab Siemens am Donnerstag einen Korb: Die Richter lehnten den Einspruch des deutschen Industriekonzerns gegen die Vergabe eines Großauftrags der Wiener Linien an den Konkurrenten Bombardier ab. Der Deal über 562 Millionen Euro und 156 neue Straßenbahngarnituren war Anfang Dezember an Bombardier vergeben worden; Siemens hatte sich mit einem Nachfolgemodell der Niederflurstraßenbahn ULF - also jenes Zuges, der bereits in Wien unterwegs ist - beworben.

Nach der Niederlage meldete Siemens Bedenken an, das Siegermodell würde nicht den Kriterien der Barrierefreiheit entsprechen und spekulierte mit einer Neuausschreibung. Das Gericht folgte dieser Argumentation nach gut sechsstündiger Verhandlung am Donnerstag nicht.

Niveauunterschiede und Einstiegshöhe

Es sei "nachvollziehbar" bewiesen worden, dass die Ausschreibungskriterien des "Flexity"-Modells von Bombardier eingehalten worden seien, gab der Dreiersenat unter Vorsitz von Richterin Marion Lettner bekannt.Konkret ging es um Niveauunterschiede zwischen der Einstiegshöhe und dem Boden im Inneren des Fahrzeugs. Diese Rampen dürfen im Hinblick etwa auf Rollstuhlfahrer nicht zu steil sein.

"Unsere Experten sind skeptisch, dass das, was von der Gegenseite angeboten wurde, auch realisierbar ist", sagte Siemens-Sprecher Walter Sattlberger am Rande der Verhandlung zur APA. Bombardier-Sprecherin Karin Schwarz versicherte, dass man die Ausschreibungskriterien der Wiener Linien "zu 100 Prozent erfüllt" habe und die Wiener "Flexity"-Variante "zu 100 Prozent umsetzbar" sei.

"Schlüssige Erklärungen"

Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries sagte, "beide Angebote wurden unter Hinzuziehung von externen Experten intensiv geprüft - auch auf ihre Plausibilität." Das Richtertrio ließ sich daraufhin die Machbarkeit der Bombardier-Pläne von Vertretern des kanadischen Transportunternehmens erklären - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um Betriebsgeheimnisse zu wahren. Die Ausführungen seien "schlüssig" gewesen, so die Richter.

Gegen die Entscheidung ist kein ordentliches Rechtsmittel mehr zulässig, gaben die Wiener Linien in einer Aussendung bekannt. Die Entscheidung für 156 Bombardier-Züge sei somit fix. Außerordentliche Rechtsmittel stehen Siemens allerdings noch frei. Ob diese ergriffen werden sollen, steht noch nicht fest

Laut Wiener Linien werden die "Flexity"-Züge zwischen 2018 und 2026 ausgeliefert und die alten Type-E2-Hochflurgarnituren ersetzen. Die Züge sind 34 Meter lang, bieten Platz für 211 Fahrgäste und werden im Bombardier-Kompetenzzentrum für Straßen- und Stadtbahnen in Wien-Donaustadt gefertigt. (APA/mcmt, derStandard.at, 22.1.2015)

  • Trotz Einspruchs der Konkurrenz wird Bombardier 156 Niederflurzüge des Typs "Flexity" ab 2018 an die Wiener Linien ausliefern.
    foto: apa/bombardier/döllmann design/architektur z

    Trotz Einspruchs der Konkurrenz wird Bombardier 156 Niederflurzüge des Typs "Flexity" ab 2018 an die Wiener Linien ausliefern.

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