Arbeitslosigkeit in Spanien Ende 2014 unter Vorjahr

22. Jänner 2015, 17:19
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Spaniens Trendwende am Stellenmarkt scheint geglückt

Endlich hat "eine neue Etappe begonnen" - für diejenigen, die wie Spaniens Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría (Partido Popular, PP) das Glas als halbvoll erachten. Zumindest auf den Arbeitsmarkt trifft dies laut der am Donnerstag publizierten Daten des staatlichen Statistikinstituts INE zu. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich im Vorjahr um 477.000 reduziert. 433.900 neue Arbeitsplätze wurden 2014 geschaffen, so viele wie seit Krisenbeginn nicht mehr. Bleiben 4,57 Millionen Erwerbslose (gut 3,5 Millionen mehr als vor Beginn der Wirtschaftskrise vor sieben Jahren) und eine Arbeitslosenrate von 23,7 Prozent.

Vor allem bei den über 50-Jährigen, aber auch bei den sogenannten Ni-Nis, jungen Spaniern, die weder eine Stelle haben noch in Ausbildung sind, wurden primär im Dienstleistungsbereich, in der Industrie und im Tourismus neue Perspektiven geschaffen. So weit die positive Sicht, die auch der Internationale Währungsfonds (IWF) als "Spaniens virtuosen Kreis feiert". Der IWF hob seine Prognose für das Wachstum für heuer von 1,7 auf 2,0 Prozent an.

Nord-Süd

Als Negativum erscheint hingegen nach wie vor der große Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden. Im Baskenland und in Navarra liegt die Arbeitslosenrate unter 18 Prozent, im Süden, etwa in Andalusien oder der Extremadura, liegt die sie hingegen jenseits der 30 Prozent. Unverändert auch der Trend zu Mini- und Teilzeitjobs, neben prekärer Selbstständigkeit sind dies die wahren Jobmotoren. Premier Mariano Rajoy (PP) versprach daher jüngst "eine Million weitere Arbeitsplätze binnen zweier Jahre" zu schaffen.

Auch Spaniens Wirtschaft soll heuer um zwei Prozent wachsen, wie Regierung und Unternehmerbund CEOE unisono betonten. Wirtschaftsminister Luis de Guindos geht gar von einem Wert "nahe der drei Prozent aus", gilt es doch Optimismus zu versprühen. Denn heuer stehen neben den Parlamentswahlen im Herbst auch wichtige Regional- und Gemeinderatswahlen an.

Blick nach Griechenland

Die Iberische Halbinsel blickt daher gespannter denn je auf Griechenland: Ein Sieg der Syriza könnte der populistischen spanischen Linkspartei Podemos (zu Deutsch: Wir können) - in manch Wahlsonntagsumfrage führend -, aber auch Juntos Podemos (zu Deutsch: Gemeinsam können wir) in Portugal zu Höhenflügen verhelfen, etwas, das IWF-Chefin Christine Lagarde nebst der "verlorenen Generation" wegen der nach wie vor exorbitant hohen Jugendarbeitslosigkeit als gefährlich erachtet. Hinzu kommt, dass sich das Preisniveau in Spanien seit mehr als einem Semester negativ entwickelt. Zugleich stieg das Außenhandelsdefizit Madrids wieder deutlich an.

Mit der EZB-Entscheidung in Sachen Quantitative Easing (QE) reduziert sich der Druck auf die hochverschuldeten Staatskassen in Lissabon und Madrid, diese zu sanieren. Die allmähliche Konjunkturbelebung dürfte aber auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, sagen Experten. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 23.1.2015)

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