Keine Sicherheit durch Verschleierung

Blog6. Februar 2015, 08:00
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Ein Besuchssemester an der Eliteuniversität Stanford machte den Informatiker Stefan Achleitner zum Amerika-Fan. Heute beschäftigt er sich dort mit Cybersecurity

Seine Begeisterung für die USA hat Stefan Achleitner bereits 2009 als Visiting Student an der Stanford-Universität in Kalifornien entdeckt. Stipendium hat er dafür keines erhalten. "Einen Großteil meiner Ersparnisse, rund 12.000 Euro" habe er für die knapp zweieinhalb Monate an der Eliteuniversität eingesetzt. Das war dem 1985 in Oberndorf bei Salzburg Geborenen nur möglich, weil er neben dem Studium der Informatik an der TU Wien immer gearbeitet hat. "Die beste Investition meines Lebens", sagt er darüber. Und: "Daher stammen Kontakte zu Professoren, die ich bis heute habe."

Finanzielle Ausstattung

Nach seinem Doppelmaster in Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen 2010 zog es Achleitner bald wieder in die USA. Nach einem Jahr als Assistent an der TU bewarb er sich für ein Doktorat an der University of California, wo er zwei Jahre forschte, unter anderem über Sensorennetzwerke für Solarkraftwerke. "Es ging dabei um ein Netzwerk von Solarsensoren, die Daten sammeln, um die Energie optimal zu verwenden", erklärt er. Im Vergleich zur TU sei die finanzielle Ausstattung in den USA "viel angenehmer". "Wenn zum Beispiel Geräte für Experimente angekauft werden müssen oder Reisekosten und Spesen für Konferenzen", erzählt er. "Kollegen aus Europa haben es da schwerer, die erkundigen sich bei mir manchmal nach Jugendherbergen oder privaten Unterkünften, wenn sie in die USA auf eine Konferenz kommen."

foto: privat

Sein Wechsel an die Pennsylvania State University an der Ostküste im Herbst 2013 erfolgte dann aus privaten Gründen. "Meine Arbeits- und Forschungssituation in Kalifornien war sehr gut", erklärt er, "aber meine Lebensgefährtin ist ihrem Doktorvater an die Penn State gefolgt – und ich ihr." Er habe "wahnsinnig viele Leute überzeugen müssen", aber schließlich an derselben Uni eine Stelle in einer "Top-Arbeitsgruppe" bekommen. Sein neues Themenfeld: Cybersecurity. "Wie man große Softwaresysteme sicher macht, das wird auch das Thema meiner Dissertation werden."

Keine Spionagetools

Neben Industriepartnern wird in seiner Arbeitsgruppe auch mit dem US Army Research Lab zusammengearbeitet. Hier geht es vor allem um Systemsicherheit, "das Ganze wird publiziert, es ist also nichts Geheimes", betont er. "Ich weiß, es klingt absurd auf den ersten Blick", setzt er fort, "aber es gibt keine Sicherheit durch Verschleierung. Wenn es um ein neues Verfahren zur Datenverschlüsselung geht, ist seine weltweite Veröffentlichung der beste Test, den man kriegen kann." Und fügt hinzu: "Ich entwickle ja keine Spionagetools, sondern Software, die die Daten von vielen Menschen sicherer macht. Was jemand in der Forschung macht und wie es von anderen verwendet wird, ist ein heikles Thema, für das es in der Geschichte der Wissenschaft viele prominente Beispiele gibt."

Während seine Lebensgefährtin, sie ist derzeit Doktorratsstudentin in Biologie mit Schwerpunkt Gentechnik und Artenvielfalt, sicher in der Wissenschaft bleiben will, schließt er einen Wechsel in die Wirtschaft nicht aus. "Es gibt im Bereich Informatik wenige Professuren, aber viele gute Jobs in der Industrie, und wenn wir in derselben Stadt leben wollen, ist ein Industriejob einfacher."

Halbe Miete

Er würde gern nach Europa zurück, auch seine Freundin könne sich das vorstellen, obwohl sie Amerikanerin ist. "Ich war kürzlich in Zürich", erzählt Achleitner, "da wird viel für Forschung und Entwicklung gemacht." "Wenn ich es mir aussuchen könnte", fügt er hinzu, "würde es ein tolles Entwicklungslabor in Salzburg sein, weil das meine Heimat ist." Für irgendeinen Job käme er aber nicht nach Österreich zurück: "Dazu brauche ich kein Doktorat aus Amerika. Das geht auch vom 'Return on Investment' nicht mehr."

Seine Empfehlung an junge Kolleginnen und Kollegen: "Persönliche Kontakte sind das Um und Auf." Er habe als Student den Standardweg für seine Bewerbungen per E-Mail gewählt. Aber: "Diese Unis bekommen Tausende von Bewerbungen aus der ganzen Welt für vielleicht ein, zwei Plätze im Jahr. Da macht ein persönliches Gespräch, und sei es noch so kurz, schon einen Unterschied." Sein Tipp: Die Sprechstunden der Professoren recherchieren, anrufen und hartnäckig sein. "Wenn es finanziell geht, sogar hinüberfliegen nach Amerika und vor der Tür stehen. Wenn sich die oder der Prof. deinen Namen gemerkt hat, ist das schon die halbe Miete." (Tanja Paar, derStandard.at, 6.2.2015)

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