Ex-Mitarbeiter: Nintendo-Chefs "verstehen modernes Gaming nicht"

22. Jänner 2015, 12:26
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Dan Adelman erklärt, weshalb der Spiele-Riese oft so träge wirkt

Nintendo ist für viele Spieler eng mit ihrer Kindheit verbunden und hat deshalb einen besonderen Stellenwert für sie. Heutzutage, so scheint es manchmal, hat der japanische Traditionskonzern aber teilweise den Anschluss an seine Zielgruppe verloren. Während immer mehr Kinder und jugendliche auf Smartphones und Tablets spielen, hält Nintendo am schrumpfenden Handheld-Konsolen-Geschäft fest und wenngleich die Mehrheit der Konsolenspieler sich heute online vernetzen, wirken die Online-Dienste Nintendos im Vergleich zu den Netzwerken von PlayStation und Xbox stellenweise veraltet.

In einem Interview mit Dromble gibt der ehemalige Nintendo-Manager Dan Adelman Einblicke in die Arbeitsweise des Konzerns und erklärt auch, weshalb der Riese oft träge in seinem Handeln ist. Neun Jahre lang war Adelman bei Nintendo of America bis August 2014 für die Beziehungen zu unabhängigen Drittherstellern und Entwicklern zuständig.

Tradition wichtig

"Sie sind sehr traditionell und sehr auf Hierarchien und kollektive Entscheidungen fokussiert", so Adelman. "Leider erzeugt das eine Kultur, in der jeder ein Berater und keiner ein Entscheidungsträger ist - aber fast jeder ein Vetorecht. Selbst Herr Iwata (Nintendos Präsident) vermeidet es oft, eine Entscheidung zu treffen, die einen der Vorstände in Japan isolieren könnte." Diese strenge Hierarchie, die typisch für ein Unternehmen aus Kyoto sei, und dieser Mangel an Entscheidungswilligkeit führe dazu, dass neue Ideen und Konzepte vielfach nicht ausprobiert werden. "All das ist nicht unbedingt schlecht, aber es kann sehr ineffizient und zeitraubend sein." Das größte Problem sei, dass Einfälle von Mitarbeitern dadurch selbst durch ein Nein im Keim erstickt werden können.

Risiko wird nicht belohnt

Gerade bei neuen Marktentwicklungen könne dies dazu führen, dass Nintendo nur langsam auf Trends und ein geändertes Konsumentenverhalten reagiert. "Die ältesten Vorstände des Konzerns haben sich in der Zeit des NES und Super NES die Hörner abgeschlagen und verstehen modernes Gaming nicht wirklich. Dadurch ist die Aufnahme von Online-Gaming, Account-Systemen, Freundelisten und auch das Verständnis über den Aufstieg von PC-Gaming nur sehr langsam vonstatten gegangen. Ideen werden häufig verfrüht abgewiesen, nur weil manche Leute mit Macht ein Veto einlegen, weil sie es einfach nicht verstehen", so der Ex-Mitarbeiter.

"Es gibt kaum Gründe, neue Ideen anzugehen und zu fördern. Risiken einzugehen wird für gewöhnlich nicht belohnt. Langzeit-Loyalität ist letztendlich das, was belohnt wird, als ist es der einfachste Weg, auf Kurs zu bleiben." (zw, derStandard.at, 22.1.2015)

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Dromble

  • "All das ist nicht unbedingt schlecht, aber es kann sehr ineffizient und zeitraubend sein."

    "All das ist nicht unbedingt schlecht, aber es kann sehr ineffizient und zeitraubend sein."

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