Hololens: Von virtuellen Marsreisen und digitalen Elektrikern

22. Jänner 2015, 11:07
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Microsoft sucht sein Heil in Augmented Reality und hat noch so manche Hürde zu nehmen

Während Oculus, Sony und Co. auf eine Zukunft für Virtual-Reality-Geräte hoffen, setzt Microsoft auf die augmentierte Realität. "Hololens" heißt die Brille mit integrierter Computerhardware, die nicht mit einem PC gekoppelt werden muss und auf einen normalen Bildschirm verzichtet. Sie stellte die wohl größte Überraschung des Events am Mittwochabend dar. Entwickelt wird sie seit fünf Jahren von Microsoft und der US-Raumfahrtagentur NASA

Doch nicht für jedes Medium kam die Enthüllung unerwartet. Jessi Hempel, Redakteurin von Wired, hatte schon Ende Oktober des vergangenen Jahres die Gelegenheit, sich den tragbaren AR-Computer in Redmont näher anzusehen.

"Es geht ums analoge Universum"

Durch das Hands-on führte sie Alex Kipman, der das Projekt bei Microsoft leitet. Bevor sich Microsoft den Namen Hololens erdachte, lief die Entwicklung unter dem Arbeitstitel "Baraboo". In den Labors hat der Konzern verschiedene Testszenarien eingerichtet, um die Prototypen zu erproben. Die nächste Ara des Computings würde sich nicht mehr um das digitale Universum drehen, wie wir es heute kennen, prognostiziert Kipman. "Es geht ums analoge Universum", sagt er, das nach völlig anderen Regeln spiele.

Hololens ist kein unauffälliges Gerät, aber auch nicht so klobig wie etwa Oculus Rift. Das Sichtfeld der Tiefenkamera, die nach dem Kinect-Prinzip für die Gestenerkennung zuständig ist, beträgt 120 x 120 Grad. Eine CPU, eine Grafikeinheit und ein eigener Holografieprozessor stecken im Inneren der Brille. Zwei Linsen mit Schichten aus blauem, grünen und rotem Glas tricksen das Gehirn des Nutzers aus und lassen ihm virtuelle Objekte wie einen Teil der echten Welt erscheinen.

Holo-Elektriker

Eines der Testszenarien für das AR-Wearable ist ein simpel eingerichtetes Wohnzimmer. An einer Stelle der Wand ragen aus einem Loch zwei Kabel, Aufgabe ist es, dort einen Lichtschalter zu montieren. Hier hilft ein virtueller Elektriker aus, der in einem beweglichen Fenster vor den Augen des Nutzers schwebt.

Er sieht, was der Träger wahrnimmt und kann Hilfestellungen geben. So zeichnet er etwa einen Kreis um ein Spannungsmessgerät und erinnert daran, vor Beginn des Schalteranschlusses die Leitungen zu prüfen, um sich nicht versehentlich einen elektrischen Schlag einzufangen. Mit Diagrammen und Pfeilen führt er dann durch den eigentlichen Einbau.

Virtuelle Marsreise

Das zweite Szenario ist ein Ausflug auf den Mars. Der Raum wird für den Hololens-Nutzer zum roten Planeten, der Nutzer kann zwischen einer Übersicht zum Fortschritt des Curiosity-Rovers, der durch die virtuelle Landschaft fährt, und der Planetenoberfläche wechseln. Die Erfahrung, so gibt Hempel zu Protokoll, sei in grafischer Hinsicht sehr realistisch gewesen. Im Raum neben sitzend schaltet sich NASA-Wissenschaftler John Norris hinzu und erscheint als geisterhafte, humanoide Figur in der Landschaft. Eine von seinen Augen wegführende, gepunktete Linie zeigt, was er gerade betrachtet.

Hürden

Die NASA wird bereits im Sommer Hololens auf breiterer Ebene ausrollen, für alle anderen soll es spätestens zum Windows-10-Launch zur Verfügung stehen, mit dem im Herbst zu rechnen ist. Bis dahin gibt es noch ein paar Hürden zu nehmen und Kipman selbst betont auch, dass sich das Projekt noch in einer frühen Phase befindet. Er erwartet auch nicht, dass sich die Holobrille sofort zum Kassenschlager entwickelt.

Da Hololens auf Eingabemethoden wie Maus und Tastatur verzichtet, müssen nicht nur Gesten sehr gut erkannt werden, sondern auch die Sprachfunktionen zuverlässig arbeiten. Bereits etablierte Technologien wie die Google Now und Siri haben genau mit diesem Punkt noch zu kämpfen. (gpi, derStandard.at, 22.1.2015)

  • Hololens soll die augmentierte Realität in Wohnzimmer und Büros bringen.
    foto: ap

    Hololens soll die augmentierte Realität in Wohnzimmer und Büros bringen.

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