Nadellas große Wette: Der Einsatz ist Microsoft 

Analyse22. Jänner 2015, 10:29
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Mit der "Hololens" geht der Microsoft-CEO große Risiken ein – und zeigt, wie er das Unternehmen bereits verändert hat

Es ist eine Herkulesaufgabe, die Satya Nadella vor rund einem Jahr in Form des Posten als Microsoft-Chef auf sich nahm: Zwar war der IT-Konzern profitabel und erzielte einen riesigen Umsatz, allerdings befand sich Microsoft prinzipiell im Abstieg. Denn der IT-Konzern aus Redmond hatte sich vor allem dazu entschlossen, eigene Pfründe zu verteidigen. In punkto Unternehmensphilosophie war Microsoft ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden: Starr, unflexibel und nicht innovationsfreudig. Eroberte eine Erfindung der Konkurrenz dann die Herzen der Nutzer, warf Microsoft uninspirierte Kopien auf den Markt: Etwa den MP3-Player "Zune" oder das "Surface"-Tablet, mit dem jeweils auf Apples iPod und iPad reagiert wurden.

Verpasst, zu spät

Den Mobilmarkt verpasste man unter CEO Steve Ballmer komplett, auch beim Cloud-Geschäft stieg man zu spät und mit massiver Mühe ein. Allerdings wurde die Abteilung von einem Manager geleitet, der schnell durch frische Ansätze und Methoden auffiel – und dadurch an Boden gutmachte: Eben Satya Nadella, der dasselbe seit Februar 2014 nun für das gesamte Unternehmen erreichen soll. Nadellas Ansatz: Es geht nicht mehr darum, dass Microsoft als Platzhirsch alle Bereiche dominiert.

Offenheit

Zur Konkurrenz dürfen keine hohen Zäune mehr aufgebaut werden – es ist besser, jemand nutzt auf einem Macbook eine Microsoft-Anwendung, als jemand nutzt auf einem Macbook eine Apple-Anwendung. Was vielleicht dann dazu führt, dass der Nutzer irgendwann Microsoft-Anwendungen auf Windows betreibt. Nach dieser Denkart veröffentlichte Nadella schnell Office für iPad - und dominierte so die Apple App Charts. Die Zugänglichkeit zu Microsoft-Produkten soll durch Freemium- und Abomodelle erhöht werden, was sogar bei Windows 10 der Fall sein wird.

Flacher und breiter

Weiters setzte Nadella laut Wired darauf, den Konzern flacher und breiter aufzustellen. Die einzelnen Abteilungen sollten viel mehr miteinander kommunizieren und ihre Fähigkeiten bündeln. Ein Prozess, der schon unter Ballmer mit dem Motto "One Microsoft" eingeleitet wurde. Nadella forcierte dies aber weiter und bläute Abteilungsleitern ein, offen für neue Ideen (und damit auch Misserfolge) zu sein. Eines seiner effektivsten Management-Tools hört auf den Namen Bill Gates: Nadella bat dem Microsoft-Gründer, regelmäßig in der Firmenzentrale erreichbar zu sein. Gates soll quasi ein lebendes Beispiel dafür sein, dass frische Ideen die Firma so weit gebracht haben – und sich Erfindergeist auszahlt.

Star Trek

Ein erstes sichtbares Produkt dieser neuen Philosophie ist etwa Skypes "Star Trek"-Simultanübersetzer, der von verschiedenen Abteilungen gemeinsam entwickelt wurde. Mit dem "Hololens" geht Microsoft noch einige Schritte weiter: Die Technologie wird als Fortschritt in Analogie zur Einführung von Tastatur und Maus verkauft. Die Zukunft der Ein- und Ausgabe via Hologramm-ähnlicher Augmented Reality.

Wette auf die Zukunft

Eine riesige Wette, die Microsoft wieder als Innovator etablieren – oder den Ruf des Konzerns komplett ruinieren kann. Denn Google, das als progressive, innovative Firma gilt, hat durch die Ablehnung von "Google Glass" einiges an Ansehen verloren. Ähnlich wie bei Googles Datenbrille will Nadella das neue Device auch erst für eine definierte Zielgruppe an "Makers" zugänglich machen, also "Geeks" und Entwickler, die Feedback liefern. Erst später soll die breite Öffentlichkeit die "Hololens" testen können.

Fehler vermeiden

Nadella will dabei Googles Fehler vermeiden und schnell auf Bedenken reagieren. Gleichzeitig will er auch die Sünden seines eigenen Konzerns vermeiden und in einen breiten Dialog mit Entwicklern treten, Konkurrenzfirmen also auch Zugriff auf "Hololens"-Entwicklerkits liefern. "Man überschätzt, was du in einem Jahr machen kannst – und unterschätzt, was in zehn Jahren", zitiert Wired Nadella. Gesagt hatte das einst übrigens Bill Gates. Wo Microsoft in zehn Jahren steht, dürfte sich nun an der "Hololens" entscheiden. (fsc, derStandard.at, 22.1.2015)

  • Satya Nadella will Microsoft umkrempeln - nach einem Jahr sind Änderungen sichtbar
    foto: reuters/redmond

    Satya Nadella will Microsoft umkrempeln - nach einem Jahr sind Änderungen sichtbar

  • Unter Steve Ballmer wurden zwar erste Änderungen eingeleitet, dafür verpasste der Konzern Mobil und Cloud
    foto: ap/sullivan

    Unter Steve Ballmer wurden zwar erste Änderungen eingeleitet, dafür verpasste der Konzern Mobil und Cloud

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