Kind kriegen – oder doch nicht?

Kolumne25. Jänner 2015, 17:00
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Von der Sorge, die falsche Entscheidung in der Partnerschaft zu treffen

Frage:

Mich persönlich bewegt im Moment die große Frage "Kinder kriegen oder nicht?". Für mich war immer klar, dass ich keinen intensiven Kinderwunsch verspüre – ich konnte mich nie Freundinnen anschließen, die schon mit 17 sagten: Ich will unbedingt einmal Kinder haben! Ich habe mich immer zu jung gefühlt, um mich als Mutter zu sehen.

Heute bin ich 32 und komme schon ein wenig ins Grübeln: Was, wenn ich in zehn Jahren draufkomme, dass ich doch ganz gerne ein Kind gehabt hätte, und dann klappt es rein biologisch nicht mehr? Was, wenn mein Mann dann plötzlich einen Kinderwunsch entwickelt?

Zwei Lebensentwürfe

Mein Mann ist sich im Grunde gleich unklar wie ich. Wir können uns beide Lebensentwürfe vorstellen – mit und ohne Kind. Mein Mann meinte: Wie soll man das denn entscheiden, wenn sich beide unsicher sind? Das ist auch meine Frage: Wie soll man das entscheiden? Wie entscheiden das andere Paare? Was, wenn wir den Stress und die Belastungen, die ein Kind mit sich bringt, nicht bewältigen können – wenn unsere Paarbeziehung darunter leidet oder, noch schlimmer, das hypothetische Kind?

Vielleicht können Sie uns aus Erfahrungen in der Familientherapie ein paar hilfreiche Anstöße geben – gerade zu der Frage, wie der Kinderwunsch bei Paaren überhaupt entsteht und aus welchen Gründen sich die Menschen für oder gegen Kinder entscheiden.

Antwort:

Gemäß meiner persönlichen und professionellen Erfahrung gibt es nur einen wirklich guten Grund, ein Kind zu bekommen: wenn Sie es sich ganz einfach wünschen, wollen oder das Bedürfnis danach verspüren.

Es ist völlig egal, ob Sie 18 oder 40 Jahre alt sind. Dieses alles vereinnahmende Verlangen ist der beste Start für alle involvierten Personen.

Wenn sich dieses nicht einstellt, wird alles auf Kalkulationen und Planen reduziert, was sicher eine notwendige Strategie zu sein scheint, wenn man schwanger wird, aber keine gute, um sein Leben mit einem Kind zu verbringen. (Jesper Juul, derStandard.at, 25.1.2015)

Jesper Juul, geboren 1948 in Dänemark, ist Lehrer, Gruppen- und Familientherapeut, Konfliktberater und Buchautor. Er studierte Geschichte, Religionspädagogik und europäische Geistesgeschichte. Statt die Lehrerlaufbahn einzuschlagen, nahm er eine Stelle als Heimerzieher und später als Sozialarbeiter an und ließ sich zum Familientherapeuten ausbilden. Er ist Begründer des Family Lab.

Auf derStandard.at/Familie beantwortet Jesper Juul alle zwei Wochen Fragen zu Erziehung, Partnerschaft und Familienleben. Die nächste Kolumne lesen Sie am 8. Februar 2015.

  • Familientherapeut, Autor und STANDARD-Kolumnist Jesper Juul.
    foto: family lab

    Familientherapeut, Autor und STANDARD-Kolumnist Jesper Juul.

  • Diese Serie entsteht in Kooperation mit familylab Österreich.
    foto: family lab

    Diese Serie entsteht in Kooperation mit familylab Österreich.

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