13 Tote durch Granatenbeschuss von Bushaltestelle in Donezk

22. Jänner 2015, 10:19
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Kämpfe erreichen bisher verschontes Viertel der ostukrainischen Stadt

Donezk - Durch den Granatenbeschuss einer Bushaltestelle im ostukrainischen Donezk sind am Donnerstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Beim Einschlag eines Geschoßes seien zwölf Menschen in einem Oberleitungsbus getötet worden, eine weitere Person sei in einem vorbeifahrenden Auto gestorben, teilte ein Vertreter des Bürgermeisteramts mit, etwa ein Dutzend Menschen wurden verletzt. Der Beschuss ereignete sich den Angaben zufolge in einem bisher von Kämpfen weitgehend verschonten Stadtviertel.

Rebellen beschuldigen Regierungstruppen

Die prorussischen Aufständischen sprachen am Donnerstag von mindestens neun Toten und neun Verwundeten an der Bushaltestelle. Sie machten die Armee dafür verantwortlich. "Das Feuern auf zivile Ziele und der Tod friedlicher Bürger erschweren die Gespräche mit der Regierung in Kiew", sagte Separatistenführer Denis Puschilin. "Einerseits sollen wir in Verhandlungen treten, andererseits unternimmt die Führung in Kiew alles, damit der Friedensprozess abbricht", meinte er. Von der ukrainischen Regierung gab es zunächst keinen Kommentar.

Gefangene öffentlich vorgeführt

Unter den Augen zahlreicher Einwohner haben prorussische Separatisten im ostukrainischen Donezk gefangene ukrainische Soldaten am Donnerstag öffentlich zur Schau gestellt. Etwa 20 Gefangene wurden am Donnerstag vom Flughafen durch die Stadt bis an den Ort geführt, an dem am Morgen ein Bus von einer Granate getroffen worden war.

Dutzende Einwohner folgten der Aufforderung der Separatisten, sich die Gefangenen anzuschauen. Einige von ihnen beschimpften und bewarfen die ukrainischen Soldaten mit Glasscherben und anderen Objekten, wie eine Reporterin einer Nachrichtenagentur berichtete.

Bereits am Mittwochabend war in dem Viertel nahe dem besonders umkämpften Flughafen von Donezk ein Mensch in einem Bus durch ein Geschoß getötet worden.

NATO-Militärführung will mit Russen reden

Trotz der jüngsten Verschärfung des Konflikts will sich die NATO wieder enger mit Russland auf militärischer Ebene austauschen. NATO-Oberkommandant Philip Breedlove sagte am Donnerstag, er wolle die Kommunikation mit dem russischen General Waleri Gerasimow wieder aufnehmen. Der Austausch mit der Führungsebene des russischen Militärs sei wichtig.

Die Beziehungen zwischen den NATO-Staaten und Russland haben sich seit Beginn der Ukraine-Krise so stark abgekühlt wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Am Mittwoch warf NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg Russland vor, eine zunehmende Anzahl von Panzern, Artilleriegeschützen und anderem schweren Gerät in den umkämpften Osten der Ukraine verlegt zu haben.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte Anfang Dezember einen engeren Informationsaustausch zwischen NATO-Staaten und Russland vorgeschlagen, um militärische Spannungen wie im Kalten Krieg zu vermeiden. In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Vorfälle, in die See- und Luftstreitkräfte Russlands und der NATO-Staaten verwickelt waren. So hatten russische Bomber Übungsflüge über Nord- und Ostsee abgehalten und die russische Marine Schiffe in den Ärmelkanal entsandt. Die meisten Zwischenfälle ereigneten sich in internationalen Gebieten. (APA, 22.1.2015)

  • Der Bus nach dem Anschlag.
    foto: epa/alexander ermochenko

    Der Bus nach dem Anschlag.

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