Ausschreitungen bei Legida-Marsch in Leipzig

22. Jänner 2015, 12:41
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Weniger Demonstranten als erwartet, mehrere Polizisten verletzt – Anschläge auf Bahnanlagen in Leipzig

Leipzig - Bei den Demonstrationen für und gegen das islamkritische Legida-Bündnis in Leipzig sind am Mittwochabend laut Polizei rund ein Dutzend Beamte verletzt worden. Sie erlitten unter anderem ein durch Böller verursachtes Knalltrauma, Prellungen durch Wurfgeschosse und leichte Augenverletzungen durch Laserpointer, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag sagte.

Insgesamt gab es im Zusammenhang mit den Demonstrationen bis zum Donnerstagmorgen mehr als 50 Strafanzeigen, unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz sowie gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Zum Ende der Veranstaltung war es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern beider Lager gekommen. Laut Polizei wurden die beiden Seiten unter Einsatz von Schlagstöcken getrennt. Zuvor hatten Gegendemonstranten mehrfach versucht, Polizeisperren zu durchbrechen und auf die Demonstrationsstrecke von Legida zu gelangen. Eine konkrete Zahl verletzter Demonstranten wurde nicht genannt. Zwei Gegendemonstranten sowie eine dritte Person, die laut Polizei nicht zugeordnet werden konnte, kamen vorübergehend in Gewahrsam.

Angriffe auf Journalisten

Beobachter und mehrere Medien berichteten zudem von Angriffen aus dem Legida-Lager auf Journalisten. Nach Angaben des Polizeisprechers lagen zunächst keine Anzeigen im Zusammenhang mit möglichen Übergriffen auf Pressemitarbeiter vor.

Legida hatte für ihre zweite Demonstration in Leipzig laut Polizei rund 15.000 Menschen mobilisiert. Das waren deutlich weniger als von den Organisatoren erwartet. Ein Teil der Unterstützer kam von außerhalb, etwa aus dem Raum Dresden. Auf der Gegenseite gingen mehr als 20.000 Menschen auf die Straße. Die Demonstrationen wurden von mehr als 4.000 Polizisten aus mehreren Bundesländern und der Bundespolizei abgesichert. Vor der Großdemonstration gab es auf der Bahnstrecke zwischen Dresden und Leipzig sowie auf der S-Bahn-Linie mehrere Anschläge, die zu erheblichen Störungen im Bahnverkehr führten.

Brandanschläge in Leipzig

Auf Bahnanlagen in Leipzig wurden Mittwochabend mehrere Brandanschläge verübt. Reisende könnten mittlerweile wieder den Nah- und Fernverkehr nach Dresden, Chemnitz und Meißen nutzen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Donnerstagmorgen. Die Anschläge auf Kabelschächte stünden vermutlich im Zusammenhang mit dem Legida-Aufmarsch. Am Abend gab es zwei weitere Anschläge im Leipziger Citytunnel.

Pegida gegen Legida

Pegida will unterdessen nach eigenen Angaben eine Unterlassungsklage gegen Legida prüfen. Die Leipziger Organisatoren hätten sich bisher geweigert, den Dresdner Forderungskatalog zu übernehmen. "Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen", sagte Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel am Mittwochabend. "Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen."

Pegida-Chef Bachmann zurückgetreten

Nach dem Rücktritt ihres Chefs und Mitgründers Lutz Bachmann muss sich die Pegida-Bewegung derzeit neu formieren. Der 41-Jährige hatte am Mittwochabend alle Ämter niedergelegt, gegen ihn wird wegen Volksverhetzung ermittelt.

Zuvor waren ein Foto Bachmanns mit Hitler-Bart und ausländerfeindliche Facebook-Einträge bekannt geworden. Das hatte eine Welle der Empörung ausgelöst. In den Postings bezeichnete Bachmann Ausländer als "Viehzeug", "Gelumpe" und "Dreckspack". "Es tut mir leid, dass ich damit den Interessen unserer Bewegung geschadet habe", hieß es in Bachmanns Rücktrittserklärung.

Lob von AfD, Kritik von Grünen und Linken

Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) begrüßte den Schritt. Die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Claudia Roth (Grüne), warnte hingegen davor, "sich von einem möglichen Rückzug Bachmanns aus der ersten Reihe in Dresden blenden zu lassen". "Pegida ist und bleibt eine rassistische Veranstaltung", sagte sie der "Berliner Zeitung".

Der stellvertretende Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, wertete den Rücktritt als Beleg für die Haltung von Pegida. "Die rassistischen Äußerungen des Pegida-Gründers Bachmann haben gezeigt, wes Geistes Kind die Organisatoren dieser Hassbewegung sind", sagte er dem "Tagesspiegel". "Wer jetzt noch diesen geistigen Brandstiftern nachläuft, macht sich mit ihnen und ihren Positionen gemein." (APA, 22.1.2015)

  • Demonstration am Mittwochabend in Leipzig.
    foto: ap photo/markus schreiber

    Demonstration am Mittwochabend in Leipzig.

  • Anti-Pegida-Demo in Leipzig.
    foto: reuters/hannibal hanschke

    Anti-Pegida-Demo in Leipzig.

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