Poroschenko: "Russland hat 9.000 Soldaten im Einsatz"

21. Jänner 2015, 18:30
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Der ukrainische Präsident erhebt beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos schwere Vorwürfe gegen den Kreml

Es war ein wohlinszenierter Auftritt: Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko präsentierte während seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos ein Stück durchlöchertes Blech. Es stammt von jenem Bus, bei dessen Beschuss in der Ostukraine am 13. Jänner elf Menschen getötet wurden. "Das war ein Terrorakt. Das ist ein Symbol wie Charlie Hebdo", rief er in den Saal und nahm damit Bezug auf die Terroranschläge in Paris, unter anderem auf das Satiremagazin Charlie Hebdo. Es gab nur ganz vereinzelt Beifall im Publikum.

Dann richtete er sich vom Podium aus mit Forderungen an Russland: "Stoppt die Unterstützung für die Rebellen, schließt die Grenzen, zieht schweres Gerät, Waffen, Panzer, die Truppen zurück!" Russland habe 9.000 Soldaten und 500 Panzer auf ukrainischem Boden im Einsatz, sagte Poroschenko. "Wenn das keine Aggression ist, was ist dann eine Aggression?", fragte er ins Publikum.

Er rief Moskau auf, die Minsker Abmachung vom September des Vorjahres und die darin vereinbarte Waffenruhe einzuhalten. Zu den erneut aufgeflammten Kämpfen sagte Poroschenko: "Die Entwicklung in den vergangenen Tagen macht uns nervös." Das Land befinde sich "im Kriegszustand". Auf die in Berlin geplanten neuen Verhandlungen, um eine Friedenslösung für die Ukraine zu erreichen, ging Poroschenko nicht direkt ein.

Der Präsident betonte bei seinem Auftritt in Davos aber mehrfach, dass die Ukraine anders als vor einem Jahr sei: "Heute ist die Ukraine demokratisch. Heute ist die Ukraine proeuropäisch." Er lud die Wirtschaftsvertreter ein, in seinem Land zu investieren, das sei "die beste Unterstützung".

Russlands Präsident Wladimir Putin, der in den vergangenen Jahren regelmäßig Gast beim Weltwirtschaftsforum war, reiste heuer nicht an. Es waren jedoch mehrere russische Minister in Davos.

Seinen ersten Auftritt im Kreise der Polit- und Wirtschaftselite hatte der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi. Er ging wie Poroschenko auf die Gedenkfeier am 11. Jänner nach den Anschlägen von Paris ein. Wie Poroschenko zeigte sich auch Renzi davon beeindruckt, dass so viele Menschen an der Kundgebung teilgenommen hatten. "In Paris habe ich gespürt, Europa ist nicht nur der Euro." Europa brauche nicht nur harte Reformen, sondern auch neue Visionen. Die Führung Europas müsste sich wieder bewusst werden, dass Europa auch eine Idee sei. "Europa kann sehr viel mehr sein." Was genau, ließ er aber offen. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, 22.1.2015)

  • Poroschenko präsentierte in Davos eine durchlöcherte Blechplatte.
    foto: reuters/ruben sprich

    Poroschenko präsentierte in Davos eine durchlöcherte Blechplatte.

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