Jukic-Club Austria Wien gewann Rechtsstreit mit OSV

21. Jänner 2015, 20:07
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Ausschluss vor knapp zwei Jahren erfolgte laut Oberlandesgericht zu Unrecht

Wien - Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Ausschluss durch den österreichischen Schwimmverband (OSV) hat der Club SC Austria Wien am Mittwoch vor Gericht letztinstanzlich mit seiner Klage dagegen recht bekommen. Das Oberlandesgericht Wien bestätigte nach einer vom OSV eingebrachten Berufung das Urteil erster Instanz, wonach der Ausschluss des Vereins von Dinko Jukic nicht rechtens war.

Aufgrund der Höhe des Streitwerts zwischen 5.000 und 30.000 Euro ist das Anrufen einer weiteren Instanz nicht mehr möglich. Wegen des Ausstands von exakt 6.176 Euro war der Club am 25. Jänner 2013 mit nicht aufschiebbarer Wirkung ausgeschlossen worden, ohne eine Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten zu haben. Das war in der Klage von Austria Wien ebenso bekrittelt worden wie der Umstand, dass aufgrund üblicher Praxis im OSV mit einem sofortigen Ausschluss nicht zu rechnen gewesen sei.

Keine zwei Wochen nach dem Ausschluss hatte Austria Wien die offene Summe beglichen, in der ursprünglich gesetzten Zahlungsfrist. Der OSV hatte in seiner Berufung hingegen argumentiert, dass das "rechtliche Gehör" nicht verletzt worden war, da der Kläger wiederholt unter Hinweis auf einen Ausschluss ordnungsgemäß gemahnt worden sei. Dieser Meinung schlossen sich erste und zweite Instanz nicht an, der Ausschluss sei vielmehr völlig unverhältnismäßig und unzulässig gewesen.

Schadenersatzansprüche

Der Jukic-Club ist damit jedenfalls laut Urteil nicht wieder, sondern weiterhin ordentliches Mitglied des OSV. Das bedeutet, dass ihm über zwei Jahre rechtswidrig die Mitgliedschaft verwehrt worden ist. Die daraus resultierenden Schadenersatzansprüche will Austria-Wien-Anwalt Thomas Krankl geltend machen. "Ich gehe von rund 100.000 Euro aus", sagte der Jurist gegenüber der APA, wobei er diese Summe eher als unumstößlich denn als Verhandlungsbasis sehe.

Der OSV muss zudem noch die Berufungskosten in der Höhe von knapp 1.500 Euro begleichen. OSV-Präsident Stefan Miklauz und -Rechtsreferent Arno Pajek gaben gegenüber der APA bekannt, das Urteil noch nicht zu kennen und daher nicht Stellung nehmen zu können. Pajek kündigte seine Reaktion auf das Urteil für nächste Woche an. Sollten die angekündigten Schadenersatzforderungen gegenüber dem OSV gestellt werden, droht dem Verband ein empfindlicher finanzieller Aderlass.

Jukic: "Niederlage für den neuen Vorstand"

Dinko Jukic bezeichnete das Urteil des Oberlandesgerichts als im Sinn des Sports. "Das ist auch erstmalig eine Niederlage für den neuen Vorstand (Anm.: des OSV), da der ja die Berufung eingelegt hat", meinte der seit 9. Jänner 26-Jährige zur APA. Der Vorstand um Miklauz ist seit vergangenem März im Amt. "Stückchenweise geht jetzt alles in die richtige Richtung." Ein, zwei Verfahren werde es aber laut Jukic noch brauchen, bis das auch der Verband verstehe.

In sportlicher Hinsicht zeigte sich Jukic zuversichtlich, dass er recht bald nach Beginn der Olympia-Qualifikation im kommenden April ein Limit für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro erbringen werde. "Bis dahin muss ich meine Grundgeschwindigkeit weiter erhöhen", erklärte er. Darin sieht der Olympia-Vierte 2012 über 200 m Delfin die Basis, um in Brasilien im Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Bis zum Frühjahr werde Jukic bei kleinen Meetings die Form prüfen.

Dass die aktuell passe, zeige sein nationaler Kurzbahn-Rekord über 100 m Kraul am vergangenen Wochenende in Linz. Jukic hofft, dass das auch die Verantwortlichen für die Zusammenstellung des Rio-Förderkaders registriert haben. Denn sein klar größtes Ziel sind die nächsten Olympischen Spiele. "Darauf geht mein ganzer Fokus." Ein WM-Antreten im August in Kasan bei schon erbrachtem Rio-Limit hänge auch davon ab, wie ihn der OSV dann auf seinem Weg nach Rio unterstützen werde. (APA, 21.1.2015)

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