Lawrow glaubt Obama nicht

21. Jänner 2015, 17:39
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Moskau sieht sich wegen Ukraine nicht isoliert

Russlands Führung hat verärgert auf Barack Obamas Rede zur Lage der Nation reagiert. Amerika sei auf Konfrontationskurs gegangen und halte sich für den Mittelpunkt der Welt, die es dominieren wolle. "Das ist nicht besonders modern und entspricht nicht den derzeitigen Gegebenheiten", kritisierte Russlands Außenminister Sergej Lawrow.

Der russische Chefdiplomat widersprach auch Obamas Aussage, wonach die russische Wirtschaft am Boden und der Kreml wegen seiner Haltung in der Ukraine-Krise politisch isoliert sei. "Es wird niemals gelingen, Russland zu isolieren", sagte Lawrow. Der Kreml sei keineswegs an einer Neuauflage des Kalten Kriegs interessiert, doch der Westen müsse ebenfalls kooperieren, sagte Lawrow vor seinem Abflug nach Berlin zum von Deutschlands Außenminister initiierten Vierergipfel zur Ukraine.

Vorwürfe Kiews, dass Russland die Aufständischen mit Waffen und Truppen unterstütze, wies er zurück. Sowohl Premier Arsenij Jazenjuk als auch Präsident Petro Poroschenko hatten Moskau zuletzt beschuldigt, unter anderem Panzer in der ostukrainischen Bürgerkriegsregion aufzufahren. Die Behauptung sei alt, aber nicht belegt, meinte Lawrow. "Fakten kann oder will uns niemand vorlegen", konterte er.

Die schweren Kämpfe in der Ostukraine setzten sich auch am Mittwoch fort. Die Separatisten konnten dabei laut eigenen Angaben zwei Straßensperren der ukrainischen Armee nahe der Ortschaft Krymskoje im Gebiet Luhansk besetzen. Die Militärführung dementierte diese Mitteilung später und erklärte, die Kontrolle über die Punkte zu halten. Bereits seit Tagen nehmen beide Seiten die Herrschaft über den schwer zerstörten Donezker Flughafen verbal für sich in Anspruch.

Blockade verschärft

Die ukrainischen Behörden haben laut Medienberichten nun Bussen und Lkw die Durchfahrt an Checkpoints verboten und so die Blockade der abtrünnigen Rebellengebiete noch verschärft. Darunter leidet auch die Zivilbevölkerung, die ohnehin von den Artilleriegefechten schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die Krise wirke sich auch dramatisch auf die Ausbreitung von HIV-Erkrankungen in der Ostukraine und auf der Krim aus, befürchtet die Uno. Heroinkonsum und das Ende von Hilfsprogrammen trügen zu vermehrter Ansteckung bei, warnte der UN-Aids-Beauftragte Michel Kazatchkin. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 22.1.2015)



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