Dank des Schmerzes kommt die Erinnerung

22. Jänner 2015, 18:40
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Scheinbar belanglose Informationen prägen sich stärker ins Gedächtnis ein, wenn sie an eine negative Empfindung gekoppelt sind, berichten US-Forscher

New York - Schmerzhafte Erlebnisse können schwache Erinnerungen rückwirkend verstärken. Das wiesen US-Forscher in einem Experiment mit leichten Stromstößen nach. Sie zeigten, wie sich scheinbar belanglose Informationen ins Gedächtnis einprägen, wenn sie an ein darauffolgendes negatives Ereignis gekoppelt werden. Die Studie wurde im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.

Fast ununterbrochen prasseln Eindrücke und Informationen auf uns ein - das meiste davon ist nicht weiter bedeutsam, weshalb wir uns viele Informationen nicht bewusst merken. Genau da setzten die Forscher um Elizabeth Phelps von der Universität New York bei ihren Experimenten an: Sie präsentierten mehr als 100 Probanden nacheinander drei Sätze von jeweils 60 verschiedenen Bildern aus zwei Kategorien: die eine Hälfte zeigte Tiere, die andere Werkzeuge.

Leichte Stromstöße

Beim Betrachten der Bilder aus dem zweiten Satz wurde es für die Teilnehmer unangenehm: Sie bekamen dabei einen Stromstoß an den Handgelenken. So wurden die Bilder für die Probanden emotional bedeutsam.

Anschließend prüften die Forscher, wie gut sich die Probanden an die Bilder erinnerten. Es zeigte sich: Waren einige der Tierbilder mit Elektroschocks gekoppelt, so konnten sich die Teilnehmer an alle Tierbilder besser erinnern - auch an jene, die sie vor den Stromstößen gesehen hatten. Gleiches galt für die Werkzeugbilder.

Scheinbar unbedeutende Informationen - die belanglosen Bilder - wurden also durch ein nachfolgendes Ereignis - den Elektroschock - rückwirkend erinnernswert gemacht, wie die Forscher schreiben. "Diese Erkenntnisse zeigen, wie anpassungsfähig unser Erinnerungssystem ist. Augenscheinlich können wir damit nicht nur in die Vergangenheit reisen und vergangene Ereignisse aufrufen, sondern auch vorhandene Erinnerungen mit wichtigen neuen Details aktualisieren", so Phelps.

Nutzung in der Traumatherapie

Die vorliegende Studie liefere den ersten Hinweis auf einen solchen rückwirkenden Lernprozess beim Menschen. Weitere Arbeiten sollen nun untersuchen, was die vorliegenden Erkenntnisse beispielsweise für Angst- und Traumapatienten bedeuten könnten. Außerdem gelte es, den zugrunde liegenden Mechanismus im Gehirn zu entschlüsseln.

"Es ist vorstellbar, dass ein ähnlicher Prozess auch durch positive Stimulierung hervorzurufen wäre", erklärt die Psychologin Julia Arnhold aus Berlin, "beispielsweise durch Lob. Damit wäre das ethische Problem der Schmerzreize umgangen." Zudem könnten negative Emotionen, wie sie durch Schmerz hervorgerufen werden, wenn sie zu stark sind, auch kontraproduktiv auf die Gedächtnisleistung wirken. Bis zu einer möglichen praktischen Anwendung der vorliegenden Erkenntnisse sei es in jedem Fall noch ein weiter Weg. (APA/red, derStandard.at, 22.1.2015)

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