Jemens Huthi-Rebellen setzen sich durch

21. Jänner 2015, 21:13
10 Postings

Rebellen und Präsident erzielen Einigung in ihrem blutigen Konflikt

Sanaa/Kairo – Davon, dass der UN-Sicherheitsrat Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi am Dienstagabend sein volles Vertrauen ausgesprochen hatte, hat sich Huthi-Chef Abdul Malik al-Huthi zunächst nicht einschüchtern lassen. In einer TV-Ansprache stellte er am Mittwoch klar, dass seine Truppe, die sich selbst Ansar Allah nennt, allen "Maßnahmen" des Gremiums widerstehen werde.

Am Abend schien der Rebellenchef dann am Ziel. Die Nachrichtenagentur Saba meldete eine Einigung, wonach der von den Huthis scharf kritisierte Entwurf der neuen Verfassung geändert werde. Im Gegenzug würden sie den besetzten Präsidentenpalast räumen.

Im Entwurf war die Aufteilung des Landes in sechs Regionen vorgesehen, was die Huthi ablehnen, weil sie die Aufspaltung des Landes fürchten. Die Neun-Punkte-Vereinbarung mit Präsident Hadi sieht auch vor, dass sein entführter Stabschef Ahmed Awad bin Mubarak freilassen wird.

Am Vortag hatten Huthi-Kämpfer den Präsidentenpalast unter ihre Kontrolle gebracht. Bei den Auseinandersetzungen mit der Präsidentengarde gab es mindestens 17 Tote und 74 Verletzte. Sowohl Hadi als auch Regierungschef Khaled Bahah – beide, anders als die Huthis, aus dem Süden Jemens – blieben in ihren Residenzen eingeschlossen. Der Konflikt weitete sich von Sanaa auch auf den Süden des Landes aus.

Am finanziellen Tropf

Jemenitische Zeitungen haben spekuliert, al-Huthi könnte einen Militärrat einsetzen, der das Land regiert. Andere äußerten die Vermutung, er wolle den Präsidenten pro forma im Boot behalten, um die Lage im Süden, wo es eine starke Unabhängigkeitsbewegung gibt, nicht noch mehr anzuheizen. Alle Flughäfen sollen jedenfalls angewiesen worden sein, Regierungsmitgliedern und hohen Offizieren die Ausreise nicht zu erlauben.

Trotz dieser Drohgebärden gehen aber auch die Konsultationen zwischen Beratern des Präsidenten und Vertretern der vom Iran unterstützten Huthis weiter.

Auch der saudische Botschafter in Sanaa schaltete sich ein. Am Mittwoch trafen sich in Riad die Mitglieder des Golfkooperationsrates GCC, die äußerst beunruhigt über die schlimmste Krise in ihrem Nachbarland seit den Protesten im Arabischen Frühling 2011 sind. Sie bezeichneten die Vorgänge als Putsch. Nun könnten sie ihren Einfluss über den Geldhahn geltend machen. Der Jemen ist weitgehend von Finanzhilfe abhängig.

Die Erstürmung des Palastes war der zweite Teil des Putsches der schiitischen Rebellen. Mitte September hatten sie bereits große Teile von Sanaa erobert und seither parallele Strukturen aufgebaut. In allen wichtigen Institutionen sitzen ihre Mitglieder und üben indirekt Kontrolle aus.

Al-Huthi selbst hat bisher nichts darüber verlauten lassen, welche Rolle er für sich vorgesehen hat. In den vergangenen Monaten hatte er eher aus dem Hintergrund agiert. Auch jetzt hat er den von den USA und Golfstaaten gestützten Präsidenten nicht zum Rücktritt aufgefordert. Vielmehr hieß es, Hadi könne sich frei bewegen. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 22.1.2015)

  • Abdul Malik al-Huthi, Chef der Huthi-Milizen, stellte Dienstagabend im TV zahlreiche Forderungen.
    foto: reuters / mohamed al-sayaghi

    Abdul Malik al-Huthi, Chef der Huthi-Milizen, stellte Dienstagabend im TV zahlreiche Forderungen.

Share if you care.