EU will Energydrinks auf Gesundheitsschädlichkeit überprüfen

21. Jänner 2015, 13:43
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Konsumentenschützer fordern Jugendverbot für koffeinhaltige Getränke

Osnabrück/Wien - Angesichts der Beliebtheit koffeinhaltiger Energydrinks bei Kindern und Jugendlichen will der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, Schritte dagegen prüfen. Der mit den Energydrinks verbundene hohe Koffeinkonsum sei besorgniserregend, sagte Andriukaitis. Er werde deshalb mit der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) darüber diskutieren, "was die EU-Staaten hier gegebenenfalls unternehmen sollten", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch.

"Vergangene Woche wurde erst der Entwurf für ein Gutachten zur Sicherheit von Koffein veröffentlicht", erklärte ein EFSA-Sprecher am Mittwoch der APA. Jetzt seien Wissenschafter zu Stellungnahmen eingeladen. Den endgültigen Bericht wolle man bis Ende des Jahres veröffentlichen.

Tagesdosen bis 400 Milligramm unbedenklich

An sich klingt der Entwurf, eine Zusammenfassung vorhandener wissenschaftlicher Literatur, wenig alarmierend. "Einzeldosen von Koffein bis zu 200 Milligramm und Tagesrationen von bis zu 400 Milligramm sind für Erwachsene in Europa gesundheitlich unbedenklich", hieß es auf der EFSA-Website in einer Kurzmeldung. Das entspricht etwa 0,6 bis 1,2 Liter Energydrinks.

Das seien zwei der vorläufigen Ergebnisse eines EFSA-Gutachtens über die Sicherheit von Koffein. Die EFSA hole nun im Rahmen einer öffentlichen Konsultation Kommentare und Rückmeldungen zu dem Dokumentenentwurf ein, die Einreichungsfrist endet am 15. März.

"Einzeldosen von Koffein bis zu 200 Milligramm sind für Erwachsene (18 bis 65 Jahre) gesundheitlich unbedenklich, selbst wenn diese weniger als zwei Stunden vor intensiver sportlicher Betätigung aufgenommen werden", heißt es auf der EFSA-Website. Ungünstige Wechselwirkungen zwischen Koffein und anderen Inhaltsstoffen von Energydrinks, etwa Taurin und Glucuronolacton, oder Alkohol seien unwahrscheinlich.

Bei Schwangeren ist demnach eine Koffeinaufnahme von bis zu 200 Milligramm pro Tag für den Fötus unbedenklich. Für Kinder (drei bis zehn Jahre) und Jugendliche (zehn bis 18 Jahre) wird eine tägliche Aufnahme von drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als sicher angesehen.

Keine klaren Studien zu toxischem Risiko

Laut EFSA nehmen Jugendliche in fünf von 13 untersuchten EU-Mitgliedsstaaten mehr Koffein zu sich als empfohlen. Ihnen drohen demnach Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen.

Der Wiener Ernährungsspezialist und Kinderarzt Kurt Widhalm sagte dazu der APA: "Wir wissen alle, dass man nicht übertreiben sollte." Allerdings lägen klare Studien, wonach es ein toxisches Risiko durch Koffein gebe, seines Wissens nicht vor.

Dennoch fordert der deutsche Verbraucherzentrale-Bundesverband ein Abgabeverbot für koffeinhaltige Energydrinks an Jugendliche unter 18 Jahren. "Wie die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesamt für Risikoforschung sind auch wir der Meinung, dass die Drinks für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind", sagte Sophie Herr, Teamleiterin für Ernährung bei dem Verband, der "Neuen Osnabrücker". Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte zuvor gefordert, den Verkauf von Energydrinks an Kinder und Jugendliche zu verbieten. (APA, red, 21.1.2015)

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