Deradikalisierungshotline: 115 Anrufe in 50 Tagen

21. Jänner 2015, 12:19
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In drei Fällen wurde der Verfassungsschutz informiert

Wien - 50 Tage nach Freischaltung hat Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) am Mittwoch Bilanz zur Arbeit der neu eingerichteten Hotline gegen Extremismus gezogen, die sich auch als Anlauf- und Beratungsstelle versteht: Bisher wurden 115 Anrufe dokumentiert, 28 davon stammten von besorgten Angehörigen, der Rest von Lehrern, Sozialarbeitern, AMS-Betreuern oder einfach besorgten Bürgern, die diverse Beobachtungen gemacht haben.

In 27 Fällen handelte sich um "religiös motivierten Extremismus", als um die Sorge, dass Jugendliche in den Islamismus abdriften könnten (nur ein Fall betraf eine Anfrage wegen Rechtsextremismus), in drei Fällen wurde angesichts der Lage - und mit dem Einverständnis der Eltern - der Verfassungsschutz informiert. In einem Fall etwa, weil sich ein Bursche einen neuen Pass besorgt hatte, und befürchtet wurde, dass er die Ausreise in ein Kampfgebiet plane.

Hoher Beratungsbedarf

Karmasin führt die vielen Anrufe darauf zurück, dass die Hotline im Familienministerium angesiedelt ist und nicht im Innenamt. Im Vergleich zu Deutschland, wo im Jahr etwa 500 Anrufe erfolgen, sei diese Zahl sehr hoch, erläuterte die Ministerin: "Offenbar gibt wirklichen Beratungsbedarf."

Elf Fälle betrafen Jugendliche, die zum Islam konvertiert sind. Der Großteil der Anrufer stammt aus Wien, nämlich 45, und es wenden sich großteils Frauen, konkret Mütter, an die Hotline. Dazu berichtete Verena Fabris, Leiterin der Beratungsstelle, von einem konkreten Fall, bei dem sich eine Frau aus Wien an die Einrichtung gewendet hat, weil ihre Tochter einen Salafisten geheiratet hat - drei Wochen nach der Hochzeit stieg das Mädchen jedoch aus der Szene aus.

Genug Geld für Prävention

Auf STANDARD-Anfrage gab sich die Ministerin "zufrieden" damit, dass in dem neuen Sicherheitspaket der Koalition für die Prävention nur zwölf Millionen Euro vorgesehen sind, dies sei "großzügig und "im Moment ausreichend", erklärte sie. Fabris räumte angesichts von Rückkehrern aus dem Jihad aber ein, dass es noch mehr Sozialarbeit brauche, etwa für die Resozialisierung in Gefängnissen. Am Montag will Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die an Schulen geplanten Maßnahmen gegen Jihadismus präsentieren. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 21.1.2015)

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