Nowotny: EZB steht vor "interessantem" Treffen

21. Jänner 2015, 10:12
45 Postings

Am Donnerstag entscheidet die Zentralbank über großangelegte Staatsanleihenkäufe, an den Märkten herrscht Hochspannung

Frankfurt - Die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen nach Einschätzung des österreichischen Notenbank-Gouverneurs Ewald Nowotny vor einem "interessanten Treffen". Dennoch sollten die Märkte die anstehenden Entscheidungen der Zentralbank nicht "mit zu großer Aufregung" betrachten, sagte Nowotny am Mittwoch auf einer Euromoney-Konferenz in Wien.

Die EZB steht am Donnerstag vor einer historischen Entscheidung. Denn Notenbank-Präsident Mario Draghi scheint fest entschlossen, auf dem ersten geldpolitischen Treffen der Währungshüter in diesem Jahr die Geldschleusen ganz weit zu öffnen und den Banken noch mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen.

In Vorbereitung ist ein breit angelegter Aufkauf von Euro-Staatsanleihen - im Fachjargon "quantitative Lockerung" (QE) genannt. Auch wenn die Deutsche Bundesbank einen solchen unkonventionellen Schritt weiterhin ablehnt, dürfte Draghi mittlerweile eine Mehrheit im EZB-Rat sicher haben.

Der vor allem an den Finanzmärkten mit Spannung erwartete EZB-Beschluss hat bereits im Vorfeld für Turbulenzen gesorgt. Gerade erst musste die Schweizer Notenbank dem Druck nachgeben. Weil der Euro durch die Aussicht auf Anleihenkäufe immer mehr an Wert verliert, ist die Koppelung des Franken an die europäische Gemeinschaftswährung zu teuer geworden. In der Folge wertete der Franken massiv auf - gut für die Exportbranche in Deutschland und anderen Ländern der Eurozone.

Bisherige Maßnahmen der EZB

Seit Beginn der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2010 kämpft die EZB gegen ein Auseinanderbrechen des gemeinsamen Währungsraums. Ihre Maßnahmen bisher:

Zinssenkungen: Seit der Verschärfung der Schuldenkrise ab 2011 drehte die EZB kräftig an der Zinsschraube. Mittlerweile liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das hilft Geschäftsbanken.

Strafzinsen: Parken Banken Geld bei der EZB, müssen sie dafür inzwischen Zinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln.

Geldspritzen: Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurde zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen: Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Weniger Zinsentscheidungen: Ab 2015 werden wichtige geldpolitische Entscheidungen nicht mehr alle vier Wochen, sondern nur noch alle sechs Wochen verkündet. Das soll Erwartungen an den Finanzmärkten eindämmen und den EZB-Maßnahmen mehr Zeit zur Entfaltung geben.

Staatsanleihen-Käufe: Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das "Securities Markets Programme" (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euroländer bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Mrd. Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm "Outright Monetary Transactions" (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe. Dennoch beschäftigt der OMT-Beschluss Juristen bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH). (APA/Reuters, 21.1.2015)

  • Die EZB entscheidet am Donnerstag über großangelegte Staatsanleihenkäufe, um die europäische Wirtschaft anzukurbeln und einen gefährlichen Preisverfall auf breiter Front - eine Deflation - zu vermeiden.
    foto: apa/arne dedert

    Die EZB entscheidet am Donnerstag über großangelegte Staatsanleihenkäufe, um die europäische Wirtschaft anzukurbeln und einen gefährlichen Preisverfall auf breiter Front - eine Deflation - zu vermeiden.

Share if you care.