Flug QZ8501: Schrille Alarmtöne Hinweise auf massive Steigrate

21. Jänner 2015, 07:35
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Ermittler: Verlässliche Angaben erst nach Auswertung der Flugschreiber, auch Instrumentendefekt möglich

Jakarta/Kuala Lumpur/Singapur - Ermittler haben am Mittwoch davor gewarnt, voreilige Schlüsse über die Absturzursache des Air-Asia-Flugzeugs vor Indonesien zu ziehen. Der indonesische Verkehrsminister sagte am Dienstag im Parlament, die Maschine sei vor dem Unglück in einem gefährlich rasanten Steigflug gewesen. Ein Ermittler erklärte dagegen am Mittwoch, ein defektes Messgerät könne auch Bewegungen angezeigt haben, die es gar nicht gegeben habe.

"Vielleicht ist die Maschine zu schnell gestiegen, vielleicht auch nicht", sagte Wisnu Darjono, der Direktor für Sicherheit bei der Luftfahrtbehörde. Erst die genaue Auswertung der Flugschreiber könne Aufschluss geben. Die Ermittler haben für den 28. Jänner einen ersten Untersuchungsbericht angekündigt.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass schrille Alarmsignale im Cockpit die offenbar verzweifelt gegen die Katastrophe ankämpfenden Piloten vor einem Absturz gewarnt hatten. Mehrere Warnsignale seien in den Aufnahmen des Stimmrecorders zu hören, darunter auch die Warnung vor einem Strömungsabriss, sagte ein Ermittler. "Die Alarmsignale haben quasi gekreischt, während sie im Hintergrund alles zur Rettung versuchten", "zeitweise" seien die Warntöne verstummt, sagte der Ermittler, der nicht genannt werden wollte. Die Stimmen der Piloten seien in dem Lärm untergegangen.

Vor Steiggenehmigung vom Radar verschwunden

Die Maschine mit der Flugnummer QZ8501 war am 28. Dezember auf halbem Weg zwischen Surabaya und Singapur abgestürzt. An Bord waren 162 Menschen, überwiegend Indonesier. Der Pilot hatte keinen Notruf abgesetzt. Mehrere Wrackteile sind in etwa 30 Meter tiefem Wasser gefunden worden. Taucher arbeiten daran, sie zu heben.

Nach Angaben von Verkehrsminister Ignasius Jonan soll die Maschine vor dem Absturz 1.800 Meter in der Minute gestiegen sein. Das wäre zwei- bis dreimal so schnell wie bei kommerziellen Airlines üblich. Der Pilot hatte um Steiggenehmigung gebeten, weil er Gewitterwolken umfliegen wollte. Ehe die Genehmigung aus dem Tower kam, verschwand die Maschine vom Radar.

Wenn die Maschine tatsächlich im rasanten Steigflug war, erinnert das an das Unglück des Air-France-Flugs AF447. Die Maschine stürzte nach dem Start in Rio de Janeiro 2009 in den Atlantik. Defekte Instrumente hatten eine falsche Geschwindigkeit angezeigt. Die Piloten reagierten nach Überzeugung der Ermittler falsch, zogen das Flugzeug hoch und erzeugten damit einen Strömungsabriss, der die Maschine abstürzen ließ. (APA, dpa, 21.1.2015)

  • Überreste der Airbus-Maschine in Pangkalan Bun.
    foto: reuters/beawiharta

    Überreste der Airbus-Maschine in Pangkalan Bun.

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