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20. Jänner 2015, 19:17
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Forschungsratschef Hannes Androsch kritisiert die mangelhafte Umsetzung der Forschungsstrategie

Wien - Die Nationalstiftung kann heuer zusätzlich 15 Millionen Euro ausschütten. Das gab der Vorsitzende des Forschungsrats, Hannes Androsch, Montagabend beim Neujahrsempfang des von ihm geleiteten Beratungsgremiums bekannt. Damit wächst das auszuschüttende Volumen auf 78 Millionen für 2015. Das ist immerhin doppelt so viel wie im vergangenen Jahr (38,7 Mio. Euro), aber auch mehr als 14 Millionen weniger als 2013 (92,8 Mio. Euro).

Wunder könne man sich durch die zusätzlichen Mittel nicht erwarten, sagte Androsch. Die Gelder seien aber "eine gewisse Hilfe und Erleichterung", meinte der Industrielle, der einmal mehr die Realisierung der von der Bundesregierung 2011 beschlossenen Forschungsstrategie einmahnte. Diese sei "auf dem Papier hervorragend", man sei aber "alles, nur nicht auf der Spur" beim Ziel, zu einem der führenden Innovationsländer Europas zu werden und die Forschungsausgaben bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP anzuheben. Man werde in der zweiten Hälfte des Weges dorthin "einiges mehr tun müssen". Vor allem die Grundlagenforschung sei deutlich unterfinanziert, hieß es am Rande des Neujahrsempfangs. Damit reflektierte man auch Aussagen, die Christian Keuschnigg, Ökonom an der Universität St. Gallen, Stunden zuvor während einer Veranstaltung des Forschungsrats und der Bank Austria getroffen hatte.

Radikalere Innovationen

Der ehemalige Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) bezeichnete die österreichische Grundlagenforschung als eines der "Nadelöhre der österreichischen Forschung- und Technologiepolitik in Zeiten, in denen Innovation radikaler werden muss". "Wir sind hier nicht konkurrenzfähig" , so der Ökonom unter Hinweis auf das Abschneiden der heimischen Universitäten bei Rankings, die Lehrbelastung der Professoren oder die Ausstattung des Grundlagenforschung fördernden Wissenschaftsfonds FWF - "da sind wir überall hinten".

Sinkende Bewilligungsquoten

Der FWF, die erste Geldquelle für Forschungsprojekte an Unis und außeruniversitären Einrichtungen, hat, wie berichtet, ein bis 2018 vom Wissenschaftsministerium zugesichertes Budget von 184 Millionen Euro. Der Schweizer Nationalfonds, der im Nachbarland für die Grundlagenforschung zuständig ist, hat bekanntlich ein etwa dreimal so hohes Budget zur Verfügung. Da die Anträge steigen, sind Bewilligungsquoten des FWF rückläufig. Auch die Antragsummen und die tatsächlich bewilligten Gelder driften deutlich auseinander: Im vergangenen Jahr konnten von 778 beantragten Millionen Euro nur knapp über 200 bewilligt werden.

Keuschnigg bezeichnete wie schon in früheren Vorträgen die Grundlagenforschung auch als erste Quelle für den Technologietransfer. Im tertiären Sektor werde erstklassige Ausbildung geleistet, von der die Privatwirtschaft in Form von Absolventen profitiert. Sie sei auch eine Quelle von Patenten, die dann von großen Unternehmen genutzt werden.

"Die Universitäten müssen aber auch eine Quelle von kleinen innovativen Start-ups sein", so Keuschnigg, der in diesem Zusammenhang die "unterentwickelte Wagniskapitalfinanzierung" in Österreich kritisierte. Auch hier sei das Land deutlich hinter den Spitzenreitern im Innovationsranking. (red/APA, DER STANDARD, 21.1.2015)

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