In Culottes, immer auf dem Sprung

Kolumne22. Jänner 2015, 05:30
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Vor hundert Jahren galten die Culottes, irgendwas zwischen Rock und Hose, als Zumutung. Das ist zum Glück Schnee von gestern

Kaum ein Hosenmodell wurde im vergangenen Jahr von Frauen so strapaziert wie dieses – dabei galt es vor hundert Jahren noch als eine echte Zumutung: die Culotte, jenes meist großzügig von der Hüfte fallende, irgendwo zwischen Knie und Knöchel endende Stück Stoff, mal näher dran an der Hose, ein andermal dem Rock zum Verwechseln ähnlich.

Nicht zuletzt diese Vielseitigkeit wurde innerhalb der letzten Saisonen von modebewussten Frauen ausdauernd gewürdigt. Denn seit das gute Stück nicht mehr als Hosenrock, sondern als Culotte verkauft wird, hat sein Stündlein geschlagen. Das Image der Culottes-Trägerinnen heute: nicht mehr altbacken, abgestanden, unsexy, sondern irgendwie "immer auf dem Sprung".

So wie damals, als die Culotte eine einzige Verheißung darstellte. Eine Verheißung von mehr Bewegungsfreiheit im Alltag. Und im Großen und Ganzen mehr Freiheit für die Frau. Culottes zu tragen bedeutete damals, endlich in die Pedale treten zu können, ohne sich die Rocksäume in die Fahrradspeichen zu jagen. Oder eben ein paar Jahrzehnte später wie die spanische Tennispionierin Lili Álvarez in Wimbledon hemmungslos den Bällen hinterherzuhechten. Dank eines Sportdresses, praktisch wie eine weite Short und ansehnlich wie ein exzentrischer Rock. Keine Geringere als Elsa Schiaparelli designte 1931 Álvarez' Culotte, die nicht nur in der behäbigen Tenniswelt für ordentlich viel Aufsehen sorgte.

Daran, dass die Culottes mit der Bewegungsfreiheit der Frau eng im Zusammenhang stehen, erinnerte sich zuletzt Karl Lagerfeld. Seine demonstrierenden Models hielten selbstverständlich auch in lockeren Beinkleidern die Demo-Schilder in die Höhe. Bewegung geht eben viel besser in zwei Hosenbeinen, die nicht in den Kniekehlen das Blut abstellen.

foto: reuters/gonzalo fuentes

Die letzte bemerkenswerte Frau in den weiten Hosen aber: Kendall Jenner. Der 19-jährige Spross aus dem Kardashian-Clan, als Model in aller Munde, postete vor wenigen Tagen auf Instagram ein Kampagnenbild für Marc Jacobs. Auf dem trägt sie ein Paar lässige Schlapfen. Das war's natürlich nicht an Alltagstauglichkeit.

Obenrum eine Culotte, eine Handbreit über dem Knie endend, militärgrün, über und über mit großen Taschen besetzt. Für die Bewältigung des ganz normalen alltäglichen Wahnsinns. Jenseits des Fahrradsattels.

me by #DavidSims and @KEGrand for @marcjacobsintl campaign SS15

A photo posted by Kendall Jenner (@kendalljenner) on

Eine Auswahl aktueller Modelle

foto: hersteller

(Anne Feldkamp, derStandard.at, 22.1.2015)

  • Modell aus der Jil-Sander-Kollektion für Frühling/Sommer 2015.
    foto: apa/epa/lo scalzo

    Modell aus der Jil-Sander-Kollektion für Frühling/Sommer 2015.

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