Deutlich gedämpfter Optimismus in Davos

20. Jänner 2015, 19:05
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Auftakt des Wirtschaftsforums mit pessimistischeren Einschätzungen. Mitterlehner nimmt teil

Im Vorjahr herrschte vorsichtiger Optimismus beim Weltwirtschaftsforum in Davos, davon wird heuer deutlich weniger vorherrschen, wenn sich ab Mittwoch rund 2.500 Teilnehmer in Davos treffen. Zum Auftakt des 45. Forums gab der Internationale Währungsfonds bekannt, dass die Weltwirtschaft heuer langsamer als erwartet wachsen werde.

Die zunehmende Unsicherheit zeigt sich auch bei der Umfrage unter 1.300 CEOs, die alljährlich vom Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers veröffentlicht wird und als Stimmungsbarometer zum Beginn des alljährlichen Davoser Treffens gilt. Daraus geht hervor, dass die Konzernlenker 2015 deutlich pessimistischer als im Jahr davor sind, was die Wachstumsaussichten betrifft.

Nur 37 Prozent sind der Ansicht, die Konjunkturlage werde sich heuer verbessern, im Vorjahr waren dies 44 Prozent. 17 Prozent gehen von einem Rückgang des Wirtschaftswachstums aus, im Vorjahr waren es lediglich sieben Prozent - was einem beträchtlichen Anstieg entspricht.

Sicherheit ist Trumpf

Zu den ohnehin brisanten Themen wie dem Fall des Ölpreises, einer erneut angefachten Diskussion über den Euro vor der Wahl in Griechenland am Sonntag und den neu aufgeflammten Kämpfen in der Ukraine kommt auch noch die Angst vor weiteren Terroranschlägen.

Die bereits hohen Sicherheitsvorkehrungen in dem Schweizer Bergdorf, wo bis Samstag neben der Wirtschaftselite und Chefs von internationalen Organisationen auch rund 40 Staats- und Regierungschefs erwartet werden, wurden noch einmal verschärft. Das diesjährige Leitthema "Der neue globale Kontext" erfährt neue Brisanz. Wie in den Jahren davor wird auch das österreichische Bundesheer mit Eurofightern bei der Luftraumüberwachung aushelfen.

Mehrere Diskussionen sind zum Thema Terrorbekämpfung und Religionen angesetzt - Letzteres scheint selten als offizieller Programmpunkt in Davos auf. Mit dem Thema Ungleichheit setzen sich ebenfalls mehrere Diskussionsrunden auseinander.

China geigt auf

Dass diesen Donnerstag die Europäische Zentralbank erstmals über den Kauf von Staatsanleihen entscheidet, wird auch in Davos für Debatten sorgen. Es wird angenommen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede an diesem Tag darauf eingeht. Erwartet wird auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Russlands Präsident Wladimir Putin, ein häufiger Gast in Davos, reist heuer nicht an, aber es kommen mehrere Minister aus Moskau, unter anderem Außenminister Sergei Lawrow.

China ist mit einer fünfköpfigen Delegation vertreten, darunter Regierungschef Li Keqiang. Das ist die ranghöchste Delegation seit 2009. Insbesondere aus arabischen Ländern reist eine Vielzahl an Vertretern an. US-Außenminister John Kerry wird in Davos die Gelegenheit zu einer Fortführung der in Wien gestarteten Atomverhandlungen nützen, unter anderem mit Irans Amtskollegen Mohammed Jawad Zarif. Iraks Regierungschef Haider al-Abadi und Kurdenpräsident Massud Barzani werden über den Kampf gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) berichten.

Mitterlehner dabei

Erstmals seit vielen Jahren scheint mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner wieder ein Vertreter der österreichischen Regierung im offiziellen Programm auf. Der Wirtschaftsminister wird zwar nicht bei einer der rund 300 Diskussionen im Congress Centrum teilnehmen, sondern an einem Dinner in einem Davoser Hotel. Unter dem Motto "The Future of Europe" diskutieren unter anderem der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven und Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation. Diese Abendveranstaltungen sind informell, die Gespräche dürfen nicht zitiert werden und sollen einen ungezwungenen Austausch ermöglichen.

Mitterlehner wird, wie er dem STANDARD sagte, bei seinem zweitägigen Aufenthalt in Davos unter anderem UN-Chef Ban Ki-moon treffen sowie den Chef der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Ángel Gurría.

Zuletzt waren Bundeskanzler Werner Faymann und der damalige Außenminister Michael Spindelegger zu einem Österreich-Lunch angereist, um vor eingeladenen Gästen die Schwarzmeer-Initiative zu präsentieren. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, 21.1.2015)

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