Kein Ansturm aus der Schweiz

21. Jänner 2015, 05:30
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Schweiz-Urlaub ist für Ausländer wegen Frankenaufwertung teurer geworden, die Umbuchungen halten sich in Grenzen

Wien - Urs Weber von Schweiz Tourismus will es nicht schönreden: "Wir haben derzeit keine lustige Situation", meint der Manager für den österreichischen und ungarischen Markt. Aufgrund der massiven Aufwertung des Franken müssen Urlauber aus der Eurozone in dem Land nun deutlich tiefer in die Tasche greifen - was die Attraktivität der ohnehin als eher "teuren" Schweiz nicht gerade hebt und zu Umbuchungen führen dürfte. Wegen des Rubelverfalls bleiben auch hier vermehrt die ausgabefreudigen Russen aus. Auf der anderen Seite verbilligen sich Ferienaufenthalte für Schweizer im europäischen Ausland um bis zu 20 Prozent.

Kurzfristig bekommt der Schweiz-Tourismus die Frankenfreigabe zwar kaum zu spüren. Die Skiferien für den Restwinter sind zumeist fix gebucht. Die Hälfte der Schweizer bleibt für ihren Urlaub ohnehin im eigenen Ländle. Doch wenn die Währungssituation so bleibt wie gegenwärtig, könnte das die "Buchungsverunsicherung" durchaus verstärken, meint der Schweizer Tourismusmanager.

Kostenloses Marketing

In Tirol bleibt der Ansturm sparfreudiger Umbucher derzeit noch aus, längerfristig wird in der Branche aber sehr wohl mit Vorteilen durch den hohen Frankenkurs gerechnet: "Urlaube werden zwar vielleicht jetzt nicht mehr storniert, aber gerade der niederländische und deutsche Gast ist sehr preissensibel", sagt Josef Schirgi, Geschäftsführer des Tourismusverbands Serfaus-Fiss-Ladis. "Die Schweizer Kurspolitik ist für uns im Grunde ein kostenloses, zusätzliches Marketinginstrument." Darüber hinaus plane man, im Sommer verstärkt im Nachbarland zu werben, um vielleicht auch noch den einen oder anderen Schweizer ins günstigere Österreich zu locken.

Gezielt in anderen Ländern gegen die Schweizer zu werben, sei allerdings nicht geplant: Der Anteil an Schweizer Touristen beträgt in Serfaus- Fiss-Ladis schon jetzt rund dreißig Prozent, in St. Anton kommen im Winter etwa vier Prozent der Gäste aus dem Nachbarland.

Im Gegensatz zu grenznahen Einkaufszentren kann der Vorarlberger Tourismus keinen Schweizerboom verzeichnen. Mit einem Anteil von zehn Prozent Schweizer Gästen habe man den Markt bereits ziemlich abgeschöpft, sagt Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus. Abgesehen von zunehmendem Tages- und Wochenendtourismus seien die Erwartungen für diesen Winter eher gedämpft.

Betriebe in Nöten

Ob sich der neue Frankenkurs insgesamt nur positiv auf die Branche auswirken werde, sei allerdings fraglich, sagt Schützinger. Denn: "Viele der Tourismusbetriebe haben Frankenkredite. Ob sich neue Belastung und Umsätze die Waage halten werden, muss sich erst zeigen."

Auch Leo Bauernberger von der Salzburger Land Tourismusgesellschaft geht nicht davon aus, dass kurzfristig viele Umbuchungen von der Schweiz nach Salzburg zu verzeichnen sein werden. Für den kommenden Sommer erwartet er sich aber doch "einen gewissen Wettbewerbsvorteil", der sich freilich noch nicht prognostizieren lasse.

Was die Auswirkungen des Frankenkurses auf das Reiseverhalten anderer Herkunftsmärkte betrifft und ob Österreich davon profitieren kann, hält auch Ulrike Rauch-Keschmann vom Tourismusverband Österreich Werbung für derzeit schwierig einschätzbar - "zumal der Preisvorteil nun auch für alle anderen Destinationen gilt", gibt die Unternehmenssprecherin zu bedenken.

Bei allem Dilemma bleibt der Schweizer Tourismusexperte Weber relativ gelassen und meint, jetzt gelte es umso mehr das Hauptreisemotiv für sein Land noch besser ins Bild zu setzen: "In der Schweiz gibt es halt noch beeindruckendere Berge als in Österreich, wie etwa das Matterhorn." (jub, kat, mika, neu, DER STANDARD, 21.1.2015)

  • Die Schweiz hofft, dass ihr Auslandsgäste treue bleiben.
    foto: tvb st. anton / josef mallaun

    Die Schweiz hofft, dass ihr Auslandsgäste treue bleiben.

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