Die Gebetsmühle und das erste Finale

20. Jänner 2015, 17:36
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Teamchef Johannesson predigt mannschaftliche Geschlossenheit, Österreichs Performance bestätigt ihn. Gegen den Iran geht es um den Achtelfinaleinzug

Das Standard-Hotel bei der Handball-WM ist ein Standard-Hotel, es steht an einem Kreisverkehr, bei dem einander zwei achtspurige Straßen treffen. Die wirklich guten Hotels in Doha sind zu einem guten Teil an der sogenannten West Bay angesiedelt. Viele Hotels, hohe Hotels. In einem haben die WM-Organisatoren den Generalsekretär des österreichischen Handballbunds, Martin Hausleitner, untergebracht. Dort trifft man sich an spielfreien Tagen in der Lobby mit ÖHB-Teamchef Patrekur Johannesson und dem einen oder anderen Spieler, die Lobby eines guten, hohen Hotels an der West Bay in Doha ist groß genug für österreichische Handball-Pressekonferenzen.

Der Dienstag war ein Pressekonferenztag, schließlich hatte Österreich am Montag gegen Tunesien gespielt (25:25), und am Mittwoch (15 Uhr, live auf derStandard.at/Sport und ORF Sport Plus) kommt es zum Kräftemessen mit dem Iran. "Unser erstes Finale", sagt Torhüter Nikola Marinovic. Das Team hält bei drei Punkten, ein Sieg gegen den Gruppenletzten würde den Weg ins Achtelfinale ebnen. Marinovic: "Wir haben die Türe aufgemacht, aber jetzt müssen wir auch durchgehen."

Tormänner sehr gut

Wenn man bis jetzt jemanden aus der Mannschaft herausheben wollte, dann wäre das wahrscheinlich Goalie Marinovic, vielleicht auch sein Kollege Thomas Bauer, mit dem er sich abwechselte. Sie haben gehalten, was zu halten war, und haben Österreich damit im Turnier gehalten. Auch die Deckung funktioniert, das große Problem bis dato ist die Chancenauswertung. "Gegen Tunesien", sagte Teamchef Johannesson, "hätten wir mehr als dreißig Tore machen müssen." Doch vergaben Robert Weber und Raul Santos etliche Sitzer - just die beiden Flügel, die in der deutschen Liga, wo Weber vor Santos die Torschützenliste anführt, seit Wochen für Furore sorgen.

Johannesson wird nicht müde, das "große Vertrauen" zu betonen, das er zu Weber, zu Santos und zu allen anderen habe. Dass von Spielführern wie Viktor Szilagyi gegen Tunesien wenig zu sehen war? Auch damit habe man rechnen müssen. Johannesson: "Wir sind nicht wegen zwei oder drei Spielern hier in Katar, wir sind hier, weil wir uns als Mannschaft qualifiziert haben."

Botschaften

Es ist, als würde in der Lobby des West-Bay-Hotels eine Gebetsmühle hängen. Johannesson verpackt seine Botschaften stets in andere, neue Sätze, und doch wiederholt er sich, als würde er über die Journalisten indirekt auch seine Spieler erreichen wollen. "Alle 18 Spieler", "die Mannschaft", "wir halten zusammen", "der Teamgeist", das sind die Botschaften, die er loswerden will. Und die drei Matches bis dato geben ihm ja auch Recht - da war keiner, der extrem herausgeragt, aber auch keiner, der abgefallen wäre. Die Österreicher verloren, gewannen und remisierten mannschaftlich geschlossen. Johannesson muss natürlich hoffen, dass der eine oder der andere in einer entscheidenden Phase doch noch einen echten Lauf kriegt, und er setzt ein, wen er einsetzen kann. Selbst der jüngste Spieler dieser Endrunde, Nikola Bilyk (18), zeigt durchaus Verlässliches.

Vor dem Iran, der zwar nur verloren, aber Bosnien-Herzegowina und Mazedonien zumindest zugesetzt hat, ist Österreich gewarnt. "Wir haben Respekt", sagt Teamchef Johannesson. "Aber wir nehmen die Favoritenrolle an." Und dann geht es wieder von vorne los. "Alle Spieler", "die Mannschaft", "der Zusammenhalt". Doch plötzlich hält Johannesson inne. "Manchmal rede ich wie ein Politiker, es tut mir leid." Die Tür zum Achtelfinale ist offen, und keine Gebetsmühle dreht sich ewig. (Fritz Neumann aus Doha, DER STANDARD, 21.1.2015)

  • Patrekur Johannesson betont stets, wie wichtig jeder einzelne Spieler für seine Mannschaft ist, der Teamchef predigt Geschlossenheit. Leider hat der 42-jährige Isländer nur zwei Hände.
    foto: apa

    Patrekur Johannesson betont stets, wie wichtig jeder einzelne Spieler für seine Mannschaft ist, der Teamchef predigt Geschlossenheit. Leider hat der 42-jährige Isländer nur zwei Hände.

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