Schweizer Währungspolitik hält Osteuropa in Atem

20. Jänner 2015, 17:22
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Einige Regierungen überlegen Gegenmaßnahmen. Kroatien bindet die Kuna an den Franken

Wien - Die Abkehr von der Wechselkursbindung Franken/Euro durch die Schweizer Nationalbank (SNB) hat viele Kreditnehmer in einen Schock versetzt - weil damit die aushaftende Schuld tendenziell steigt. Rund 6000 österreichische Haushalte werden noch heuer die Auswirkungen der Frankenfreigabe in ihrem eigenen Geldbörsel spüren. Im Schnitt werden sie für ihren Frankenkredit um 33.000 Euro mehr zurückzahlen müssen als ohne Aufwertung. Laut Finanzmarktaufsicht werden heuer vier Prozent der Fremdwährungskredite fällig, das sind rund 1,2 Mrd. Euro. In Summe haben Österreichs Haushalte Frankenkredite von rund 29 Mrd. Euro ausstehen.

Die Regierung in Kroatien hat die wegen der raschen Aufwertung des Schweizer Franken in Panik geratenen Kreditnehmer nun in Schutz genommen. Per Regierungsbeschluss soll der Wechselkurs für den Franken ein Jahr lang auf 6,39 Kuna (0,83 Euro) fixiert bleiben. Die Kursunterschiede würden in der Zwischenzeit von den Geschäftsbanken getragen werden, teilte Premier Zoran Milanovic laut Medienberichten mit.

Die Regierung wollte laut dem TV-Sender HRT noch am Dienstag eine entsprechende Änderung des Gesetzes zu Verbraucherkrediten beschließen, das Parlament soll sich dazu am Freitag äußern. Die Kreditnehmer verlangen von der Regierung aber die Order, dass eine Kreditumwandlung in Kuna zum Kurs am Tag der Kreditgewährung gewährt wird. Etwa 100.000 Bürger Kroatiens dürften laut früheren Angaben Frankenkredite besitzen.

Prüfung in Polen

Auch die polnische Notenbank hält Extramaßnahmen wegen der Aufwertung des Schweizer Franken zum polnischen Zloty für notwendig. Die Banken sollten ihr Liquiditätsmanagement ändern, forderte der polnische Notenbankchef Marek Belka bereits am Montag und forderte auch eine mögliche Senkung der Hypothekenzinsen, um die Kreditnehmer zu entlasten. Die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz ordnete am Dienstag eine Untersuchung von jenen Banken an, die Hypothekendarlehen in Schweizer Franken vergeben haben.

Beide Länder hätten sich Rat bei der ungarischen Regierung geholt, teilten diese mit. Ungarn hatte Banken bereits gezwungen, Frankenkredite zu für sie ungünstigen Wechselkursen in Forintdarlehen zu tauschen. Auf den Verlusten sitzen die Institute.

In Großbritannien prüft die Financial Conduct Authority die Auswirkung der Aufhebung der Frankenbindung auf die Broker. Die Behörde hat laut Financial Times Briefe an die Währungshändler verschickt und sie aufgefordert, die Regulierungsbehörde über alle Auswirkungen des Schweizer Schritts zu informieren, der Auswirkung auf die Bilanzen haben könnte. (bpf, APA, DER STANDARD, 21.1.2015)

  • Nicht nur Euroländer leiden unter der Frankenstärke.
    foto: dpa/seger

    Nicht nur Euroländer leiden unter der Frankenstärke.

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