Auch der Wolf hat das Zeug zum besten Freund des Menschen

24. Jänner 2015, 17:59
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Soziale Fähigkeiten wie Kooperation, Toleranz und Aufmerksamkeit für Menschen entstanden nicht erst durch Domestizierung

Wien - Egal, ob sie einen Rettungstrupp, Schäfer oder Jäger unterstützen - Hunde achten genau darauf, was ihr zweibeiniges Leittier anzeigt und tut. Diese soziale Fähigkeit sei jedoch nicht erst durch die Domestizierung entstanden, sondern auch bei Wölfen vorhanden, berichten Friederike Range und Zsófia Virányi vom Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn (NÖ) im Fachmagazin "Frontiers in Psychology".

Gängige Domestizierungs-Hypothesen besagen, Hunde hätten sich mit der Domestizierung zu toleranten und achtsamen Tieren entwickelt. Der Mensch habe diese Fähigkeiten gezielt selektiert und den Hund so zum kooperationsfähigen Partner herangezogen. Wölfe seien aber keineswegs weniger kooperativ, tolerant oder sozial aufmerksam als Hunde, so die Verhaltensforscher.

Dem Blick des Menschen folgen

Range und Viranyi, die auch am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni arbeiten, untersuchten unter anderem, wie gut Wölfe und Hunde Futter finden, das ein Mensch versteckt hat. Beide Tierarten taten sich leichter, wenn sie ihm dabei zusehen konnten, was zeigt, dass sie ihm ihre Achtsamkeit gewidmet haben. Sie bemerkten auch oft, ob er tatsächlich ein totes Hühnchen für sie in die Wiese legte oder dies nur vortäuschen wollte, berichten die Forscherinnen.

Wölfe können auch dem Blick eines Menschen folgen, was zeige, dass sie sich in seine Perspektive hineinversetzen können. Außerdem seien die Tiere erfolgreiche Imitatoren: Wölfe können demnach besser von Artgenossen lernen, wie man eine Futterkiste öffnet, als Hunde. "Insgesamt haben die Tests gezeigt, dass Wölfe sehr gut aufeinander und auf Menschen achten", so Range. Hypothesen die besagen, dass Wölfe über weniger soziale Fähigkeiten verfügen als Hunde, sind also nicht korrekt."

Klar ist aber: Hunde kooperieren eher mit Menschen als Wölfe, weil sie keine Scheu vor ihm haben und ihn eher als Sozialpartner akzeptieren. Sie ließen sich auch leichter von Menschen einschüchtern als Wölfe, so Range: "Wo der Hund kleinmütig sagt: 'das ist schon OK", erklärt der Wolf: 'Na, das schauen wir uns aber erst einmal an'". (APA/red, derStandard.at, 24.1.2015)

  • Zsófia Virányi mit einem Wolf im niederösterreichischen Ernstbrunn.
    foto: wolf science center

    Zsófia Virányi mit einem Wolf im niederösterreichischen Ernstbrunn.

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