China wächst langsamer: Schwieriger Kurswechsel

Kommentar20. Jänner 2015, 17:00
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Die große Zahl fauler Kredite bei den staatlichen Banken ist ein Grund zur Sorge

Ein Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent als Enttäuschung? Da kann es sich nur um China handeln. Mit fantastischen zweistelligen Wachstumsraten hat sich das bevölkerungsreichste Land innerhalb einer Generation vom größten Armenhaus der Welt zur größten Volkswirtschaft verwandelt. Doch die bisherigen Expansionsstrategien stoßen nun an ihre Grenzen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds wird das Wachstum bis 2016 auf 6,3 Prozent zurückgehen - immer noch beneidenswert, aber schon ziemlich irdisch.

Das sollte niemanden bedrücken, die chinesische Führung am wenigsten. Das schwächere Wachstum ist einerseits Zeichen des gestiegenen Wohlstands und andererseits einer Umorientierung der Wirtschaftspolitik von einer Förderung der Produktion für die Exportmärkte auf eine Stärkung des inländischen Konsums, begleitet von der Schließung unrentabler Unternehmen. Wenn das hilft, die riesige Leistungsbilanz zu verkleinern, dann trägt das auch zur Stabilisierung der Weltwirtschaft bei.

Doch noch ist nicht klar, ob dieser Kurswechsel klaglos funktioniert. Vor allem die große Zahl fauler Kredite bei den staatlichen Banken ist ein Grund zur Sorge. Und Chinas Kommunisten brauchen starkes Wachstum, um ihre Herrschaft über eine zunehmend rastlose Bevölkerung abzusichern. Wenn sich die Konjunktur weiterhin einbremst, könnte dies weitreichende politische Folgen haben. (Eric Frey, DER STANDARD, 21.1.2015)

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