Cyber-Soldaten führen schon heute den Krieg von morgen

20. Jänner 2015, 16:08
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Attacken auf Militär-Internetseiten und Waffensysteme

Der Krieg der Zukunft hat de facto schon begonnen: Cyber-Soldaten sitzen hinter ihren Computern und wehren täglich Angriffe ab. In Frankreich ist die Militäreinheit Calid seit den islamistischen Anschlägen mit 17 Toten in höchster Alarmbereitschaft, denn die Internet-Attacken haben seither ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht.

Insgesamt mehr als 1300 Angriffe von Islamisten und mehr als 25.000 gehackte Internet-Seiten zählte das Innenministerium seit den Attentaten. Die französische Armee ist ebenfalls betroffen - und schickt ihre Cyber-Soldaten los.

"Suspicious"

Hinter der diskreten Fassade eines Gebäudes in Paris ist der Sitz von Calid untergebracht. Ein Soldat verfolgt dort vor einer Reihe von Bildschirmen die Informationen: "SUSPICIOUS" (deutsch: verdächtig) leuchtet plötzlich rot auf einem der Bildschirme auf. "Ich habe eine Warnung auf einer Internet-Seite festgestellt, ein Nutzer, der versucht, zu einem Cloud-Server vorzudringen", erläutert der Unteroffizier, der zusammen mit rund 30 anderen Soldaten rund um die Uhr die Netzwerke des französischen Verteidigungsministeriums überwacht.

"Was wir versuchen zu entdecken, ist ein ungewöhnlich hohes Aufkommen an Botschaften. Dazu verfügen wir über 'Fänger' an den Eingängen zu unseren Netzen", berichtet der Cyber-Soldat, der seinen Namen nicht nennen will.

Cyberangriffe

An Gegnern mangelt es den Militärs nicht. In den vergangenen Tagen wurde die französische Armee zum Ziel von rund einem Dutzend Angriffen vor allem auf ihre Regimenter. Am 12. Jänner war es Hackern, die sich zur Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) bekannten, sogar gelungen, die Twitter- und Youtube-Accounts des US-Militärkommandos für Syrien und den Irak (Centcom) zu kapern. Statt des Centcom-Logos war auf den Seiten ein schwarz-weißes Banner mit dem Slogan "CyberCaliphate" zu sehen.

Sorgen wegen IS

Die IS-Kämpfer "haben Geld, rekrutieren Informatiker", weiß Vize-Admiral Arnaud Coustillière, der im französischen Generalstab für die Cyber-Verteidigung zuständig ist. "Es fehlt ihnen vielleicht ein Geheimdienstnetz zu den Zielen, aber sie sind fähig, recht rasch Websites zu blockieren." Das könne im "Krieg der Bilder" von Bedeutung sein. Den gewaltbereiten Islamisten fehlen demnach hingegen bisher die Mittel, um einen großangelegten Cyber-Angriff zu starten.

Denn mehr noch als ein Angriff auf Internet-Seiten ist der Alptraum der Militärs, dass Cyber-Angreifer Waffensystem lahmlegen könnten, Raketen oder Drohnen inmitten eines Militäreinsatzes per Informationstechnik kapern. Das Abwehrzentrum Calid überwacht auch dies und schickt Teams zu den jeweiligen Einsatzorten des französischen Militärs.

So war in Afrika die französische Militäroperation Barkhane gegen Islamisten das Ziel einer Cyber-Attacke, heißt es im Verteidigungsministerium in Paris. "Das ist von einem Computer oder Telefon aus machbar." Bei einem israelischen Luftangriff auf mutmaßliche Nukleareinrichtungen in Syrien im Jahr 2007 wurde die Verteidigung durch ein verstümmeltes Radarbild in die Irre geführt.

Perspektivenwechsel

Die Systeme sind umso verwundbarer, als sie mehr und mehr miteinander verknüpft sind. Auf einem Kriegsschiff sind Steuerung, Antrieb, Kampfeinrichtungen und Kommunikation miteinander verbunden. Wegen fehlender Sicherung könnte es bald möglich sein, ein Schiff auf offenem Meer zu blockieren und seine Beteiligung an Kampfhandlungen zu verhindern.

An der Seite von Calid versuchen dutzende Forscher der französischen Direktion für Rüstungsbeschaffung (DGA), den Cyber-Krieg von morgen vorwegzunehmen. "Wir versetzen uns an die Stelle des Angreifers und überlegen, welche Attacken man auf unsere eigenen Waffensysteme führen kann", berichtet Frederic Valette von der DGA. Angesichts der wachsenden Bedrohung hat Frankreich sein Budget für Cyber-Verteidigung auf eine Milliarde Euro bis 2019 aufgestockt. Beim französischen Militär sollen 400 zusätzliche Informatikspezialisten in den nächsten fünf Jahren zum Einsatz kommen. (APA, 20.01.2015)

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